Lando Norris ist nach seiner Vorladung in Miami ohne Strafe davongekommen und behält seine Poleposition für den Sprint, nachdem die FIA-Stewards den Vorwurf des unnötig langsamen Fahrens in der Sprint-Qualifikation zurückgewiesen haben.
Damit bleibt das sportliche Ergebnis des Freitags bestehen: Der McLaren-Pilot startet den Sprint weiter von Platz eins vor Kimi Antonelli im Mercedes und Teamkollege Oscar Piastri. Für Norris ist es die erste Pole der Saison, nachdem er sich in SQ3 mit einer Runde in 1:27,869 Minuten an die Spitze gesetzt und Antonelli um 0,222 Sekunden geschlagen hatte.
Kurz nach der Session war dieses Ergebnis allerdings ins Wanken geraten. Die Stewards untersuchten eine Szene am Ende einer Runde in Kurve 17, bei der Norris laut Vorwurf nicht den Vorgaben der Rennleitung gefolgt sein soll. Im Zentrum stand die Regel aus den Competition Notes des Rennleiters, nach der Fahrer in Qualifying-Sessions die maximale Zeit zwischen der zweiten und der ersten Safety-Car-Linie nicht überschreiten dürfen. Für Miami lag diese Grenze bei 108 Sekunden.
In ihrem Urteil hielten die Stewards zunächst fest, dass Auto 1 diese Vorgabe tatsächlich nicht eingehalten hatte. Wörtlich heißt es: „Car 1 failed to stay below the required time limit as stipulated by the Race Director’s Competition Notes.“ Entscheidend war für die Rennkommissare aber nicht nur die Überschreitung selbst, sondern die Umstände, unter denen sie zustande kam.
Nach ihrer Darstellung lag Norris fast die gesamte Runde innerhalb der erlaubten Delta-Zeit. Erst kurz vor Kurve 17 änderte sich die Situation plötzlich, als Nico Hülkenberg im Audi an ihm vorbeiging. In der Begründung schreiben die Stewards: „Car 1 was within the approved delta time for almost the whole lap until just before turn 17, where he was suddenly passed by car 27. That then forced car 1 to react to create a necessary and appropriate gap to set up a push lap.“ Genau diese Abfolge werteten sie als entlastenden Sonderfall.
Damit war der Kern des Vorwurfs aus Sicht der Stewards entkräftet. Sie kamen zu dem Schluss, dass Norris unter diesen Umständen nicht unnötig langsam gefahren sei. In der Entscheidung heißt es entsprechend, Norris habe „did not drive unnecessarily slowly“.
Die Untersuchung bezog sich auf eine Phase zwischen zwei Versuchen im mittleren Teil der Sprint-Qualifikation. Norris hatte zuvor in Kurve 17 einen Verbremser, absolvierte danach zwei langsame Runden und näherte sich dem Ende der zweiten Runde, als sich die Verkehrssituation vor dem nächsten Versuch zuspitzte. Gerade in diesem Bereich der Runde wurde die Frage wichtig, ob er bewusst Zeit verlor oder auf das unerwartete Geschehen reagieren musste. Die Stewards folgten am Ende klar der zweiten Lesart.
Für McLaren ist das mehr als nur eine formale Entlastung. Eine Strafe hätte Norris die beste Ausgangsposition für den Sprint genommen und Antonelli aufrücken lassen können. Stattdessen bleibt der Brite auf Startplatz eins und kann die starke Qualifying-Leistung seines Teams direkt in Punkte ummünzen, während Antonelli und Piastri weiter hinter ihm auf die erste Gelegenheit zum Angriff warten müssen.
© Jonathan Borba