Die FIA hat die ADUO-Regeln neu terminiert und zugleich eine neue Förderstufe für Motorenhersteller geschaffen, die beim Verbrennungsmotor mehr als 10 Prozent hinter dem Referenzmotor liegen. Damit wird aus dem Ausgleichsmechanismus erstmals ein klar umrissenes Hilfspaket, von dem nach übereinstimmender Darstellung vor allem Honda profitieren dürfte.
Die Änderungen an den technischen, finanziellen und operativen Bestimmungen wurden bereits vom FIA World Motor Sport Council in einer außerordentlichen Sitzung genehmigt. Die erste ADUO-Bewertung erfolgt nun nach Rennen fünf und damit nach dem Kanada-Grand-Prix. Die zweite Überprüfung wurde um ein Rennen vorgezogen und wird nach Rennen elf kommuniziert, derzeit nach dem Ungarn-Grand-Prix am 26. Juli. Die dritte bleibt unverändert nach Rennen 18, also nach dem Mexiko-Grand-Prix am 1. November.
Der entscheidende Punkt liegt aber in der neuen höchsten Förderkategorie. Wer mehr als 10 Prozent hinter dem besten Motor liegt, erhält 230 zusätzliche Stunden auf dem dynamischen Prüfstand und 11 Millionen US-Dollar zusätzliches Budget über die kommenden zwei Jahre. Nur Hersteller in dieser höchsten Stufe dürfen zudem bereits 2026 einen Teil dieses Zusatzbudgets einsetzen, maximal 8 Millionen US-Dollar. Für Hersteller mit einem Rückstand zwischen 8 und 10 Prozent sind 8 Millionen US-Dollar vorgesehen.
Für die ADUO-Einstufung bewertet die FIA nur die Leistung des Verbrennungsmotors, nicht die komplette Power Unit. Mercedes gilt dabei als aktuelle Referenz und wird im Bericht mit etwas mehr als 550 PS angegeben. Honda soll beim ICE 60 bis 70 PS zurückliegen und damit derzeit bei mehr als 10 Prozent Defizit. Genau deshalb wird die neue Schwelle weithin als direkte Reaktion auf Hondas Leistungs- und Zuverlässigkeitsprobleme vor der neuen Motorenära verstanden.
Ferrari-Teamchef Fred Vasseur sagte gegenüber Medien einschließlich RacingNews365, der lange offene Punkt sei vor allem der Zeitpunkt der Anwendung gewesen. „Die Situation ist glasklar, und der einzige offene Punkt war vielleicht, dass wir gesagt haben, [ADUO würde] nach Rennen sechs gelten“, sagte Vasseur. „Ist das Rennen sechs des ursprünglichen Kalenders oder Rennen sechs des neuen Kalenders? Aber beim Mechanismus, was man tun kann, den Prüfstandszeiten und so weiter, ist das glasklar.“
Mercedes-Teamchef Toto Wolff hatte zuvor gewarnt, ADUO solle dazu dienen, einen klar zurückliegenden Hersteller näher heranzuführen, statt die Kräfteverhältnisse allgemein zu verschieben. Genau in diese Richtung gehen die jetzt bestätigten Änderungen: Der größte Nutzen der Regel konzentriert sich auf einen Hersteller, der deutlich weiter zurückliegt als der Rest.
Für Honda wäre das der entscheidende Hebel, doch auch mit zusätzlichen Prüfstandsstunden und mehr Budget bleibt der Rückstand groß. Ein Defizit von mehr als 10 Prozent beim Verbrennungsmotor lässt sich nicht kurzfristig schließen, was die neue ADUO-Stufe zwar zur wichtigsten Soforthilfe macht, aber nicht zu einer schnellen Garantie auf Gleichstand.
© Jonathan Borba