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Ford spricht mit Verstappen über Hypercar-Pläne

Ford spricht mit Max Verstappen bereits regelmäßig über mögliche Einsätze im Sportwagenbereich bis hin zum künftigen Hypercar-Programm, auch wenn kurzfristig noch kein konkretes Projekt bevorsteht.

Mark Rushbrook, Ford-Performance-Direktor, bestätigte im Interview mit Motorsport.com Netherlands, dass diese Gespräche längst laufen. „Ja, natürlich“, sagte Rushbrook auf die Frage, ob ein erweitertes Engagement Verstappens ein Thema sei. Ford schätze den Weltmeister nicht nur wegen seiner Leistungen in der Formel 1, sondern auch darüber hinaus. „Wir lieben Max. Wir lieben, was er im Formel-1-Auto auf der Strecke leistet. Wir lieben ihn abseits der Strecke. Er ist eine großartige Person, ebenso wie er ein großartiger Fahrer ist.“

Der Hintergrund ist Fords wachsende Nähe zu Verstappen durch die Formel-1-Partnerschaft mit Red Bull Racing und Racing Bulls ab 2026. Gleichzeitig plant der Hersteller für 2027 den Einstieg in die Hypercar-Klasse der Langstrecken-WM. Genau dort sieht Rushbrook eine mögliche gemeinsame Zukunft. Ford führe „natürlich regelmäßige Gespräche“ mit Verstappen darüber, „welche Möglichkeiten es gibt, mehr im Sportwagenbereich zu tun, einschließlich Hypercar“.

Das ist bemerkenswert, weil Verstappen seine aktuellen GT3-Aktivitäten nicht mit Ford bestreitet. In der kommenden Woche soll er beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring in einem Mercedes-AMG GT3 antreten. Trotzdem versucht Ford offenkundig, den Niederländer früh an das eigene Langstreckenprojekt heranzuführen.

An gegenseitigem Interesse scheint es nicht zu fehlen. Rushbrook sagte über Verstappen: „Er ist ein Rennfahrer. Er will Rennen fahren.“ Zugleich bremste er Erwartungen an eine schnelle Umsetzung. „Wir geben nichts bekannt“, sagte er, und stellte klar, dass derzeit „nichts“ für die nahe Zukunft geplant sei.

Der entscheidende Hinderungsgrund ist der Kalender. Rushbrook verwies darauf, dass Verstappen in Le Mans um den Gesamtsieg fahren wolle, sich das mit einem Vollzeitprogramm in der Formel 1 aber meist nicht vereinbaren lasse. „Er möchte in Le Mans fahren und um den Gesamtsieg kämpfen, aber in den meisten Jahren lässt der Zeitplan das nicht zu“, sagte er. Solange Verstappen ein fest eingebundener Formel-1-Fahrer sei, gebe es in den meisten Jahren einen Konflikt. Dazu komme der Testtag am Sonntag vor Le Mans, der für eine professionelle Vorbereitung faktisch zwei Formel-1-freie Wochenenden nötig mache.

Sportlich wäre Verstappen für Ford trotzdem weit mehr als ein prominenter Name. Rushbrook nannte ihn einen „gewaltiger Gewinn“ für das Hypercar-Programm, dessen Testfahrten noch in diesem Jahr beginnen sollen. Den besonderen Wert sieht Ford vor allem in seiner Arbeitsweise. Rushbrook erinnerte an einen Formel-1-Shakedown in Barcelona, bei dem er Verstappens Funkverkehr bei einem neuen Auto verfolgte. Nach „30, 40 oder 50 Runden“ liefere er den Ingenieuren ein Maß an Detailtiefe, das „so viel wertvoller als alle Daten“ sei, die ihnen auf den Bildschirmen vorlägen.

Für Ford macht genau das die Gespräche relevant, obwohl noch nichts unterschriftsreif ist. Mit dem Hypercar-Einstieg 2027 rückt die Frage näher, ob sich irgendwann ein Zeitfenster für Verstappens Le-Mans-Ziel öffnet und Ford daraus mehr als nur lose Gespräche machen kann.