© Eterna

Niki Lauda: Der Crash, der die Nordschleife kippte

Anzeige

Niki Lauda verunglückte am 1. August 1976 auf der Nürburgring-Nordschleife in der Bergwerk-Passage schwer, nachdem er schon vor dem Rennen gegen einen Start auf der Strecke gestimmt hatte und später von einem Materialversagen an seinem Ferrari 312T2 sprach. Ausgerechnet in einer Kurve, die er rückblickend als „eine normale Vollgaskurve“ und „Nix gefährliches“ bezeichnete, wurde der Große Preis von Deutschland zum Einschnitt für Lauda und die Formel 1.

Der Widerspruch prägte Laudas Blick auf die Nordschleife bis zuletzt. Im Jubiläumsinterview nannte der dreimalige Weltmeister die Strecke „für uns damals die größte Herausforderung, die geilste Strecke, die man fahren konnte“ und sagte, Fahren am Limit dort sei die „Krönung“ gewesen. Gleichzeitig erklärte er, man sei damals „jung und dumm“ gewesen und habe „den Tod und die Gefahr ausgeblendet“.

Dass die Debatte 1976 überhaupt eskalierte, lag für Lauda an der Entwicklung der Formel 1. Mit dem Nürburgring habe es einen Dreijahresplan für Sicherheitsumbauten gegeben, doch im letzten Jahr dieser Vereinbarung seien die Autos bereits wieder zu schnell gewesen. Nach Long Beach diskutierten fünf Fahrer über einen Boykott des Nürburgrings. „Drei waren für Fahren, zwei dagegen“, sagte Lauda, der sich selbst und Emerson Fittipaldi im Lager der Gegner verortete. Er akzeptierte die Mehrheitsentscheidung trotzdem: „Für mich war das Thema damit erledigt.“

Am Rennsonntag verschärften Wetter und Reifenfrage die Lage zusätzlich. Lauda erinnerte sich, dass bis auf Jochen Mass zunächst alle auf Regenreifen gestartet seien, obwohl die 22,8 Kilometer lange Strecke teilweise schon abtrocknete. Nach der ersten Runde kam er zum Reifenwechsel an die Box. An mehr erinnerte er sich nicht. Der letzte Moment, den er später abrufen konnte, war das Herausfahren aus der Boxengasse. Die folgenden rund zehn Kilometer bis zur Unfallstelle blieben ausgelöscht.

Dort verlor der Ferrari die Kontrolle. Lauda sagte später, Ferrari-Chefmechaniker Ermanno Cuoghi habe ihm relativ schnell erklärt, dass „der Anlenkpunkt des rechten hinteren Längslenkers“ an einer neuen Magnesium-Aufnahme am Motor ausgerissen sei. Dadurch knickte das rechte Hinterrad ein, der Ferrari schlug ein, fing Feuer und wurde von nachfolgenden Autos getroffen.

Der Unfall veränderte Laudas Leben dauerhaft, körperlich wie mental. Trotzdem saß er schon 42 Tage später in Monza wieder in einem Formel-1-Auto. Seine Risikobereitschaft sei danach zunächst nur leicht eingeschränkt gewesen, sagte er später, ehe er wieder zu seinem alten Stil zurückgefunden habe. 1977 gewann Lauda seinen zweiten Weltmeistertitel.

Für die Formel 1 markierte der Crash den Wendepunkt, nach dem die Nordschleife aus dem Kalender verschwand. Damit wurde Laudas Beinahe-Tod auf einer von ihm geliebten und zugleich infrage gestellten Strecke zum Moment, der den Umgang der Serie mit dem Nürburgring endgültig veränderte.

Anzeige