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Montoya fordert Strafe für Verstappen-Kritik

Juan Pablo Montoya hat die Debatte um Max Verstappens Angriffe auf das neue Formel-1-Reglement deutlich verschärft und im BBC-Podcast „Chequered Flag“ sogar zusätzliche Strafpunkte auf dessen FIA-Superlizenz gefordert. Der frühere Grand-Prix-Sieger zielt dabei nicht auf den Inhalt der Kritik, sondern auf deren Ton.

„Man muss den Sport respektieren“, sagte Montoya im Podcast. Er habe kein Problem damit, wenn Fahrer die Regeln nicht mögen, erklärte er, aber „die Art und Weise, wie du über das sprichst, wovon du lebst, über deinen eigenen Sport, sollte Konsequenzen haben“.

Als Sanktion schlug Montoya eine Maßnahme vor, die Verstappen faktisch an den Rand einer Rennsperre bringen würde. „Stellt ihn ab. Gebt sieben oder acht Punkte auf die Lizenz. Was du danach auch machst, du wirst abgestellt. Ich garantiere dir, dass die Botschaften dann anders wären“, sagte er. Verstappen steht laut den vorliegenden Angaben derzeit bei drei Strafpunkten auf seiner Superlizenz nach dem Zwischenfall mit George Russell beim Spanien-Grand-Prix des Vorjahres. Mit sieben oder acht weiteren Punkten läge er gefährlich nahe an der Marke von zwölf Zählern, ab der automatisch eine Sperre für ein Rennen greift.

Montoya machte zugleich klar, dass er Verstappen nicht das Recht auf Kritik absprechen will. Fahrer hätten „das volle Recht auf eine Meinung“, sagte er, und es sei auch in Ordnung, offen zu sprechen. Für ihn liegt die Grenze aber dort, wo die Wortwahl den Sport selbst herabsetzt. „Ich sage nicht: Sagt nicht, dass euch die Regeln nicht gefallen. Wenn sie euch nicht gefallen, habt ihr jedes Recht auf eine Meinung. Es ist okay, deutlich zu sein. Aber kommt nicht daher und nennt ein Formel-1-Auto ein Mario Kart“, sagte Montoya.

Genau mit dieser Wortwahl gehört Verstappen seit den Vorsaisontests zu den schärfsten Kritikern des Reglements. Er bezeichnete die neuen Autos unter anderem als „anti-racing“, als „Formula E auf Steroiden“ und eben als „Mario Kart“. Auch in Miami, wo die FIA im April Anpassungen vorgenommen hatte, blieb er bei seiner Linie und sagte, die Fahrer müssten „langsamer fahren, um schneller zu sein“ und die Regeln seien weiterhin „bestrafend“.

Damit trifft Montoyas Vorstoß einen der sichtbarsten Konflikte rund um die aktuellen Regeln. Verstappen ist nicht einfach ein weiterer Kritiker, sondern die lauteste Stimme gegen ein Reglement, das aus seiner Sicht das reine Racing zugunsten von Energiemanagement zurückdrängt. Montoya widerspricht ihm in der Sache nicht vollständig, verschiebt den Streit aber auf eine andere Ebene: Kritik sei legitim, öffentliche Abwertung des Sports nicht.

Montoya deutete auch an, dass hinter solchen Aussagen mehr als nur die persönliche Meinung eines Fahrers stehen könne. Es gebe „zwei Dinge“, sagte er: zum einen das, was Verstappen wirklich denke, zum anderen das, „was das Team ihn wahrscheinlich sagen lässt“. Die Politik des Sports sei „wirklich wichtig“, und viele Botschaften der Fahrer würden gelenkt, weil Teams ihnen vermittelten, man müsse bestimmte Themen „wirklich pushen“, da das „uns sehr helfen wird“.

Damit hat Montoya aus einer technischen Regeldiskussion eine Grundsatzfrage über Verantwortung und Außendarstellung gemacht. Solange Verstappen die neuen Regeln weiter so offensiv attackiert, dürfte sich die Debatte in der Formel 1 nicht nur darum drehen, ob das Reglement funktioniert, sondern auch darum, wie weit ein Fahrer bei seiner öffentlichen Kritik gehen kann.