Laurent Mekies hat vor dem Kanada-Grand-Prix in Montreal erneut erklärt, dass Gianpiero Lambiase aus seiner Sicht zu McLaren wechselt, um dort Teamchef zu werden, obwohl McLaren den ab spätestens 2028 geplanten Einstieg offiziell nur als Chief Racing Officer unter Andrea Stella kommuniziert hat.
Der Red-Bull-Teamchef bekräftigte damit öffentlich jene Deutung, die schon seit der Ankündigung von Lambiases Wechsel im Raum steht. Mekies sagte in der Teamchef-Pressekonferenz in Montreal: „Nach meinem Verständnis geht GP zu McLaren, um Teamchef zu werden. Das habe ich euch damals schon gesagt.“ Er ergänzte, dass es vor der Entscheidung „mehrere Gespräche“ gegeben habe.
Besonders brisant war der Moment auch deshalb, weil Stella neben ihm saß. Mekies verschärfte den Widerspruch zu McLarens offizieller Darstellung noch einmal, als er sagte: „Fragt mich nicht, ob das passieren wird. Der Zeitpunkt geht mich nichts an. Ich kann euch nur den Inhalt unserer Gespräche nennen.“ Damit machte er klar, dass er sich nicht auf einen Termin festlegen will, seine Einschätzung zum Ziel des Wechsels aber unverändert ist.
McLaren hatte im April mitgeteilt, dass Lambiase nach Woking kommen und dort die Rolle des Chief Racing Officer übernehmen werde. Der 45-jährige Britisch-Italiener arbeitet seit 2016 als Renningenieur von Max Verstappen und wurde bei Red Bull Ende 2024 zum Head of Racing befördert. Da sein Vertrag bei Red Bull bis 2028 läuft, ist der Wechsel laut Ankündigung spätestens bis zur Saison 2028 vorgesehen.
Stella widersprach Mekies in Montreal nicht direkt, hielt aber an McLarens Linie fest. Andrea Stella, McLaren-Teamchef, sagte, Lambiase sei Teil einer „Vision, eine ergänzende Führungsstruktur zu schaffen“, die sich in die bestehende Leitung einfügen und McLaren stärker machen solle. Er betonte auch, dass er in seiner Rolle „sehr stark eingespannt“ sei und „eine starke Gruppe von Führungskräften“ an seiner Seite brauche.
Stella stellte den geplanten Zugang damit als Ausbau der Führungsebene dar, nicht als offen angekündigte Nachfolgeregelung an der Spitze. Zugleich vermied er ein ausdrückliches Dementi zu Mekies’ Interpretation. Stattdessen sagte er, der Plan sei „sehr klar“ und jede weitere Spekulation führe zurück zur „silly season“.
Genau darin liegt die sportpolitische Bedeutung des Themas. Der Wechsel nach Woking steht fest, der Zeitpunkt innerhalb des bis 2028 offenen Fensters dagegen nicht. Die entscheidende Frage bleibt deshalb, ob McLaren mit der offiziell bestätigten Rolle des Chief Racing Officer nur zusätzliche Führungskapazität schafft oder bereits die Grundlage für einen späteren Aufstieg Lambiases zum Teamchef gelegt hat.
© Eterna