McLaren bringt zum Großen Preis von Kanada ein umfassendes Upgrade-Paket an den MCL40, doch in den offiziellen FIA-Unterlagen fehlt ausgerechnet das Bauteil, über das seit Wochen am meisten gesprochen wurde: ein Ferrari-inspirierter neuer Heckflügel nach dem viel diskutierten Konzept, das in Montreal sein Debüt geben sollte.
Stattdessen beschreibt die eingereichte Änderung am Heckflügel eine überarbeitete Endplatte, die die Lastverteilung verändern und den lokalen aerodynamischen Abtrieb erhöhen soll. Damit weicht die offiziell gemeldete Spezifikation klar von den Erwartungen ab, die sich seit Miami aufgebaut hatten.
McLaren hatte im Vorfeld bestätigt, dass sich das Kanada-Paket über sieben Bereiche des Autos erstreckt. In einer Teammitteilung erklärte McLaren: „Wie zu Beginn der Saison festgelegt, war Miami der erste große Schritt in unserem Plan, dem MCL40 mehr Performance hinzuzufügen.“ Weiter hieß es: „Das setzt sich an diesem Wochenende in Montreal fort, mit einer Reihe neuer Komponenten an Unterboden, Chassis, Front- und Heckflügel, Karosserie, Halo und Überrollbügel.“
Gerade deshalb war der Fokus im Fahrerlager stark auf den Heckflügel gerichtet. Seit dem Rennen in Miami hielten sich Berichte, McLaren werde die zweite Phase seines Aero-Pakets nach Kanada bringen, angeführt von einer eigenen Interpretation des Ferrari-Konzepts, das bereits bei den Wintertests in Bahrain Aufmerksamkeit erregt hatte und später auch von Red Bull aufgegriffen worden war.
Ein Bericht hatte sogar nahegelegt, McLaren habe das Konzept zwei Monate lang auf sein Leistungspotenzial untersucht und trotz Produktionsproblemen genug Exemplare für beide Autos plus Ersatzteile fertiggestellt. Die Schwierigkeiten sollen mit abweichenden Anlenkpunkten für die Flap-Betätigung im Vergleich zu einer konventionellen zentralen Betätigung zusammengehangen haben. Eine Bestätigung, dass das Teil in Montreal tatsächlich eingesetzt wird, gab es allerdings nie.
Damit verschiebt sich die Bewertung des Kanada-Pakets. Die spannende Frage ist nun nicht mehr, ob McLaren mit einem spektakulären neuen Heckflügel einen großen Schritt macht, sondern ob die offiziell gemeldeten, konventionelleren Änderungen ausreichen, um den Rückstand weiter zu verkleinern. In Miami holte das Team zwar einen Sprint-Doppelsieg und im Grand Prix mit beiden Fahrern ein Doppelpodium, doch Teamchef Andrea Stella hatte den Mercedes-Vorteil dort dennoch auf zwei Zehntelsekunden pro Runde beziffert. Genau daran wird sich zeigen, wie viel das Montreal-Paket für McLaren wirklich verändert.
© Jonathan Borba