McLaren wurde beim Grand Prix von Miami mit seinem ersten großen Upgrade-Paket des Jahres zum engsten Verfolger von Mercedes und stellte damit die frühe Kräfteordnung der Formel-1-Saison 2026 sichtbar infrage. Teamchef Andrea Stella bremste danach aber sofort die Erwartungen und warnte davor, aus dem Wochenende schon einen ausgereiften Titelkampf abzuleiten.
Der Schritt in Miami war deutlich. McLaren brachte neun Änderungen an den Wagen, darunter neue Lufteinlässe nahe den Vorder- und Hinterrädern, eine neue Motorabdeckung, einen komplett überarbeiteten Unterboden mit neuer Geometrie, neue Sidepod-Einlässe, neue Spiegel, einen neuen Heckflügel, neue Endplatten und Kühllamellen. Auf der Strecke zahlte sich das sofort aus: Lando Norris gewann den Sprint, im Grand Prix fuhren Norris und Oscar Piastri auf das Doppelpodium.
Gerade deshalb war Miami für McLaren mehr als nur ein gutes Einzelresultat. Nach vier von 22 Rennen liegt das Team mit 94 Punkten auf Rang drei der Konstrukteurs-WM, 86 Zähler hinter Mercedes. Der Saisonstart hatte noch ganz anders ausgesehen: Norris wurde in Australien nur Fünfter, in China gingen beide McLaren nicht an den Start, und erst Piastris Podium in Japan brachte dem Team den ersten Top-3-Platz des Jahres.
Andrea Stella, McLaren-Teamchef, machte nach dem Rennen klar, dass der Aufschwung zwar real sei, aber noch mit Vorsicht eingeordnet werden müsse. „Ich denke, wenn wir jetzt schon anfangen, an die Meisterschaften am Saisonende zu denken, müssen wir ein bisschen vorsichtig sein, denn wir sind erst im vierten Rennen“, sagte er. Dazu verwies er auf die spezielle Situation des Wochenendes: „Wir haben gerade erst unser erstes Update gebracht. Wir sind in Miami und McLaren ist hier traditionell sehr stark, also kann es sein, dass die Art und Weise, wie wir unsere Autos entwickeln, zu dieser Strecke passt.“
Ganz vollständig war der Durchbruch trotzdem nicht. Norris verlor einen möglichen Grand-Prix-Sieg in der Boxengasse, als Andrea Kimi Antonelli ihn per Undercut übernahm. Danach kam Norris auf der Strecke nicht mehr zurück an die Spitze, obwohl sein Tempo auf freien Runden laut den vorliegenden Angaben nur 0,02 Sekunden hinter Antonelli lag. Das machte aus McLarens starkem Wochenende zugleich den Hinweis, wie schmal der Abstand an der Spitze noch ist.
Stella sieht in genau diesem Punkt aber auch die Chance seines Teams. Mit Blick auf die Konstrukteurs-WM bezeichnete er seine Fahrerbesetzung mit Norris und Piastri als „wahrscheinlich das stärkste Duo“ im Feld. Zugleich benannte er klar, was noch fehlt, um aus guten Wochenenden konstant Druck auf Mercedes zu machen: McLaren müsse „das Auto ein bisschen schneller machen“.
Damit hat Miami vor allem eines verändert: Mercedes wirkt nicht mehr unangreifbar, sobald McLaren ein funktionierendes Entwicklungsfenster trifft. Noch ist der Rückstand groß, aber das erste große Update hat aus einem schwierigen Saisonbeginn wieder eine ernsthafte Verfolgerrolle gemacht.
© Jonathan Borba