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McLaren fehlt Mercedes-Update und Motor-Nutzung

McLaren war in Silverstone das einzige Mercedes-Kundenteam ohne die aktuelle Power-Unit-Spezifikation, und Andrea Stella räumte zugleich ein, dass sein Team aus dem vorhandenen Paket womöglich noch nicht dieselbe Performance herausholt wie das Werksteam.

Zak Brown, CEO von McLaren, hatte schon vor dem Silverstone-Wochenende klargemacht, dass der Rennstall auf das neue Aggregat noch wartet. „Wir sind derzeit das einzige Team ohne den neuen Motor, aber der kommt bald“, sagte Brown in Northamptonshire. Den Verzug führte er nicht auf einen Konflikt mit Mercedes zurück, sondern auf die übliche Motorenrotation: Auf den aktuellen Antriebseinheiten sei noch Laufzeit, ein Wechsel lohne sich erst dann, wenn ohnehin der nächste planmäßige Tausch anstehe.

Das fiel umso stärker ins Gewicht, weil Mercedes in Silverstone zusätzlich mit einem Qualifying-Kniff auffiel, der McLaren nach eigener Aussage überraschte. Dabei gehen die Fahrer wenige Meter vor der Ziellinie komplett vom Gas, statt in einer Phase des teilweisen Lupfens die elektrische Leistung stufenweise zu verlieren. So kann die Batterie bis fast zur Linie weiter mit bis zu 350 kW leisten, bevor die Unterstützung abrupt auf null fällt, anstatt mit 50 kW pro Sekunde heruntergeregelt zu werden.

Andrea Stella, Teamchef von McLaren, sagte am Samstagabend, genau diese Nutzung habe Fragen aufgeworfen. „Es hat uns etwas überrascht. Das ist nämlich nichts, was wir davor diskutiert hätten, und ich bin mir gar nicht sicher, ob das uns zur Verfügung steht.“ Er vermutete, dass dafür weitere Elemente nötig seien, „um die Power Unit so zu nutzen“.

Der Hintergrund ist brisant, weil McLaren nicht nur auf die neueste Mercedes-Spezifikation wartet, sondern auch bei der Ausschöpfung der vorhandenen Antriebseinheit noch Potenzial sieht. Stella sprach von laufenden Gesprächen mit Mercedes HPP auf technischer Ebene, um sicherzustellen, dass McLaren alles nutzt, was „drinsteckt“ in der Power Unit. Die Mercedes-Einheit selbst lobte er als „brillant, ein tolles Stück Ingenieurskunst“, fügte aber hinzu, dass viel Performance auch in den Details der Nutzung liege.

Die aktuelle Mercedes-Spezifikation war zuvor vor allem als Zuverlässigkeitsupdate nach wiederholten Batterieproblemen eingeführt worden. Mercedes selbst sowie die Kundenteams Alpine und Williams setzten sie bereits ein. McLaren fuhr damit auch am zweiten Wochenende in Folge noch nicht.

Stella vermied dabei jede öffentliche Eskalation mit dem Motorenpartner. Nach Gesprächen über die fehlende Spezifikation sagte er: „Wir verstehen die Gründe. Wir hatten in den letzten Jahren eine tolle Kollaboration, und sie waren ein Schlüssel in den zwei WM-Titeln von McLaren. Das ändert die Basis unserer Beziehung nicht.“ Zugleich verwies er auf die Belastung bei HPP, das vier Teams versorgen müsse, und ergänzte: „Hoffentlich passiert es beim nächsten Event.“

Für McLaren ist das mehr als ein Detailthema. Stella sagte, selbst wenn man den geringeren Luftwiderstand der Mercedes-Werksautos auf den Geraden berücksichtige, gebe es „immer noch Fragezeichen“ bei der Performance. Damit wurden in Silverstone nicht nur das verspätete Motoren-Update, sondern auch die Frage der Motorennutzung zu einem zentralen Teil der Erklärung, warum McLaren dort nur das viertschnellste Auto hatte.