McLaren verschärft den Druck in der Debatte um gemeinsame Besitzverhältnisse in der Formel 1: Teamchef Andrea Stella stellte sich beim Teamchefs-Pressegespräch in Kanada klar hinter Zak Browns Forderung, dass die Konstrukteurs-WM ausschließlich zwischen wirklich unabhängigen Teams ausgetragen werden sollte und dieses Prinzip „vollständig durchgesetzt“ werden müsse.
Stella sagte, Browns Vorstoß spiegele die Position von McLaren wider und solle „konstruktiv und gesund, aber auch sehr klar“ sein. Im Kern gehe es um den Grundsatz, „dass dies eine Meisterschaft zwischen unabhängigen Konstrukteuren ist“. McLaren glaube „sehr stark, dass dieses Prinzip vollständig durchgesetzt werden sollte“, weil es aus praktischer Sicht „mehr gibt, was wir tun sollten“, damit „die Fairness im Spiel und im Wettbewerb vollständig erreicht wird“.
Ausgelöst wurde die neue Eskalation durch einen Brief von McLaren-CEO Zak Brown an FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem zwischen den Grands Prix von Miami und Kanada. Darin forderte Brown ein Verbot künftiger Modelle mit gemeinsamer Eigentümerstruktur, eine strengere Regulierung bestehender Allianzen und den Beginn eines Prozesses, um bereits bestehende Konstruktionen wieder aufzulösen. Solche Strukturen hätten, so Brown, „unbeabsichtigte, aber sehr reale Konsequenzen“ für die sportliche Integrität.
Damit richtet sich die Debatte vor allem auf Red Bulls seit 2005 bestehendes Modell mit Red Bull Racing und Racing Bulls unter demselben Konzern. Zusätzliche Brisanz bekam das Thema durch das bestätigte Interesse von Mercedes an einem Kauf des 24-Prozent-Anteils an Alpine, der derzeit Otro Capital gehört. Ein solcher Schritt könnte den Eindruck verstärken, Alpine werde zu einem Mercedes-„Satellitenteam“.
Red Bull widersprach McLarens Stoßrichtung nicht grundsätzlich, verteidigte aber den aktuellen Zustand. Laurent Mekies, Red-Bull-Teamchef und CEO, sagte in derselben Pressekonferenz: „Wir alle wollen 11 Teams, die unabhängig auf der Strecke fahren.“ Falls weitere Schritte nötig seien, „würden wir das unterstützen“. Zugleich betonte er, Red Bull sei der Ansicht, dass genau das schon heute gelte, „unabhängig von unserer strategischen Partnerschaft oder unabhängig von unserer Eigentümerstruktur“.
Mekies argumentierte zudem, die Frage lasse sich nicht allein auf Kernbeteiligungen oder strategische Lieferbeziehungen reduzieren. Für Red Bull entscheidend sei, dass die Teams unabhängig gegeneinander antreten. Wenn der Sport dafür weitere Maßnahmen brauche, werde man diese unterstützen.
Ähnlich verteidigte Alan Permane, Teamchef von Racing Bulls, die Arbeitsweise des Teams. Gegenüber Medien einschließlich RacingNews365 sagte er, er spüre zwar die Vorteile, Teil der „Red Bull-Familie“ zu sein, beschrieb die Verbindung zu Red Bull Racing aber als „sehr stark eine Kunden-Lieferanten-Beziehung“. Racing Bulls beziehe Aufhängungsteile, Getriebe und weitere Komponenten, die das technische Reglement erlaube, und halte diese Regeln „sehr rigoros“ ein.
Permane sagte auch, dass gerade diese Nähe zusätzlichen Aufwand verursache. Es gehe „eine Menge Arbeit“ und Ressourcen darauf, sicherzustellen, dass die Trennung zwischen beiden Teams regelkonform gewahrt bleibe. Genau darin liegt nun der Kern des Konflikts: McLaren verlangt, dass die Formel 1 den Anspruch vollständig unabhängiger Konstrukteure endlich schärfer durchsetzt, während Red Bull darauf beharrt, dass sein Zwei-Team-Modell schon heute innerhalb des Regelwerks unabhängig funktioniert.
© Jonathan Borba