Pastor Maldonado gewann den Spanien-Grand-Prix 2012 für Williams mit 3,195 Sekunden Vorsprung auf Fernando Alonso, doch der überraschende Triumph wurde kurz darauf von einem schweren Brand in der Garage des Teams überschattet, der später unbewiesene Betrugstheorien befeuerte.
Auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya war Maldonado erst durch die Disqualifikation von Lewis Hamilton auf Pole gerückt. Der McLaren-Pilot hatte zwar die schnellste Runde im Qualifying gefahren, war aber ausgeschlossen worden, weil er nicht aus eigener Kraft mit genügend Benzin für eine Probe an die Box zurückkehren konnte. Über 66 Runden hielt Maldonado dann dem Druck von Alonso stand und brachte den Sieg ins Ziel. Kimi Räikkönen wurde im Lotus Dritter, weitere 3,884 Sekunden hinter Alonso.
Für Williams war das ein historischer Tag. Der Rennstall hatte seit dem Großen Preis von Brasilien 2004 nicht mehr gewonnen. Für Maldonado blieb es der erste und einzige Grand-Prix-Sieg seiner Formel-1-Karriere, zugleich war es der erste Sieg eines venezolanischen Fahrers in der Formel 1.
Etwa 90 Minuten nach der Zielflagge kippte die Stimmung vollständig. Ein Defekt an der Tankanlage löste in der Williams-Garage ein großes Feuer aus. Dichter schwarzer Rauch zog durch das Fahrerlager, 31 Menschen wurden verletzt, sieben mussten mit Rauchvergiftung und Verbrennungen sofort ins Krankenhaus.
Der Brand zerstörte wichtige Ausrüstung des Teams, darunter Computer mit Setup-Daten und Ersatzteile im Wert von Hunderttausenden Pfund. Williams-Mechaniker versuchten noch, Material aus den Flammen zu retten, einige erlitten dabei leichtere Verbrennungen. Auch Personal anderer Teams half beim Löschen.
Gerade weil der Sieg so unerwartet gekommen war, bekam das Feuer schnell eine zweite Bedeutung. In sozialen Medien und Fanforen entstanden Gerüchte, Williams könne mit speziell vorbereiteten Pirelli-Reifen bevorteilt worden sein oder der Brand habe dazu gedient, mögliche Beweise verschwinden zu lassen. Auch Frank Williams’ 70. Geburtstag an jenem Wochenende wurde in diese Erzählungen hineingezogen.
Gestützt wurden diese Spekulationen jedoch nie. In den vorliegenden Berichten heißt es ausdrücklich, dass nie Beweise gefunden wurden, und die Untersuchungen kamen zu dem Schluss, dass der Auslöser des Feuers der Defekt an der Tankanlage war.
Die naheliegendere sportliche Erklärung für den Sieg lag im Charakter des Wochenendes. Die Pirelli-Reifen von 2012 galten als extrem empfindlich, und der FW34 war besonders schonend zu den Reifen. In Barcelona, wo die Belastung für die Pneus traditionell hoch ist, konnte Williams diesen Vorteil offenbar besser nutzen als viele direkte Rivalen. So blieb von einem der größten Überraschungssiege der jüngeren Formel-1-Geschichte am Ende vor allem dies: ein echter Williams-Erfolg auf der Strecke, dessen Nachhall durch das Feuer daneben bis heute verzerrt wird.
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