Charles Leclerc startet den Grand Prix von Kanada nur von Platz acht und sprach nach dem Qualifying von „einem der schlimmsten, wenn nicht dem schlimmsten Wochenende meiner Karriere“, weil ihn bei Ferrari sowohl das Bremsgefühl als auch das Reifenfenster im Stich lassen, während Lewis Hamilton im gleichen SF-26 deutlich besser zurechtkommt.
Der Monegasse kam in Montreal auf 1:12,976 Minuten und blieb damit drei Positionen hinter Hamilton, der trotz eines Fehlers auf seiner letzten schnellen Runde Fünfter wurde. Für Leclerc ist der Rückstand vor allem deshalb alarmierend, weil er das Auto seit Beginn des Wochenendes nicht richtig lesen kann. Er sagte, seit dem ersten Training habe er keine Runde gehabt, in der er den Ferrari wirklich gespürt habe. In jeder Kurve habe es sich so angefühlt, als würde er das Auto in die Mauer setzen, weil „die Reifen heute völlig außerhalb ihres Arbeitsfensters waren“ und am Vortag auch die Bremsen nicht im richtigen Fenster gewesen seien.
Ferrari-Teamchef Frédéric Vasseur erklärte nach dem Qualifying, Hamilton fühle sich in Kanada „sehr wohl“ im SF-26, bei Leclerc sei es dagegen von Anfang an schwieriger gewesen. Am Freitag habe es Probleme mit den Bremsen gegeben, am Samstag dann damit, die Reifen auf die richtige Temperatur zu bringen. Vasseur machte klar, dass genau das in Montreal ein zentrales Thema sei: Wegen kühlerer Bedingungen als im Vorjahr und härterer Mischungen sei das Reifenmanagement für alle Teams ein großes Problem.
Wie tief Leclercs Vertrauensverlust saß, zeigte bereits ein Funkspruch nach Q2. „Ich bin komplett außer Rhythmus, komplett außer Rhythmus“, meldete er. „Ich werde Q3 entweder auf Platz acht beenden oder in der Mauer. Wir müssen nur sicherstellen, dass ihr mir freie Luft gebt. Alles andere ist mir egal, nur freie Luft.“ Wenig später bewahrheitete sich die Vorhersage fast exakt, als er Q3 tatsächlich als Achter abschloss.
Die Probleme hatten sich schon im Sprint-Qualifying angedeutet. Dort wurde Leclerc nur Sechster und erklärte, ihm fehle auf seiner Seite der Garage das Gefühl für die Bremsen. Auf dem bremsintensiven Circuit Gilles Villeneuve, mit mehreren harten Anbremszonen, sei das besonders folgenschwer. Er beschrieb, dass er in die Kurven fahre in der Hoffnung, nicht geradeaus zu rutschen. Hamilton qualifizierte sich dabei zum zweiten Mal in drei Sprint-Qualifyings vor ihm.
Auch nach dem Sprint fand Leclerc keine echte Wende. Zwar sagte er später, die Bremsen seien „ein bisschen besser“ gewesen, doch das Vertrauen sei nicht zurückgekehrt. Das Qualifying sei „ein Albtraum“ gewesen. Selbst unter normaleren Bedingungen habe das Auto nicht so funktioniert, wie er es erwartet habe. Erst in Q3 habe er das Arbeitsfenster der Reifen einigermaßen getroffen, doch da war mehr als Startplatz acht nicht mehr möglich.
Für das Rennen rechnet Ferrari mit noch mehr Unwägbarkeiten. Vasseur sagte, die Bedingungen könnten mit möglichem Regen am Sonntag „komplett anders“ sein, und unter diesen Umständen werde es „eine große Herausforderung für alle“. Ob das Ferrari in die Karten spiele, wollte er nicht bewerten. Entscheidend sei, auf die Verhältnisse richtig zu reagieren und vorbereitet zu sein. Leclerc sieht den möglichen Regen zwar als Chance auf einen Reset, betonte aber zugleich, dass Ferrari trotzdem verstehen müsse, warum bei ihm erst die Bremsen und dann die Reifen nicht funktionierten. Genau davon hängt ab, ob aus einem miserablen Montreal-Wochenende für ihn im Rennen noch mehr werden kann.
© fuji.tim