Lando Norris rettete nach einem beschädigten Frontbremskanal noch Startplatz sechs für den Sprint in Silverstone, doch trotz der späten Reparatur sieht McLaren sich weiter eher im Kampf mit Red Bull als mit Mercedes oder Ferrari.
Der Titelverteidiger schleppte den Schaden aus SQ1 durch den größten Teil des Sprint-Qualifyings und kam in SQ2 nur mit Mühe weiter. Als Zehnter lag er gerade einmal 0,081 Sekunden vor Pierre Gasly auf Rang elf, bevor McLaren in der kurzen Pause vor SQ3 das Problem beheben konnte. Danach sprang Norris noch auf P6 und lag damit 0,032 Sekunden vor Teamkollege Oscar Piastri.
Norris machte nach der Session klar, wie stark ihn der Defekt eingebremst hatte. Er sagte, das Problem habe ihn „viel mehr beeinträchtigt, als ich gedacht hatte“, weil es „erst für den letzten Run“ behoben worden sei. „Die Jungs haben einen tollen Job gemacht, es für den letzten Run zu reparieren, aber das Auto war komplett anders und wieder viel besser“, sagte Norris. Über weite Strecken habe es sich „ziemlich schockierend“ angefühlt.
Ganz zufrieden war er trotzdem nicht, weil die Reparatur aus seiner Sicht zu spät kam, um das Potenzial noch voll auszuschöpfen. Als er im letzten Umlauf wieder Vertrauen gefunden habe, habe er sofort das Gefühl gehabt, „viel mehr pushen“ zu können. Das war in einer Session besonders bitter, in der die Abstände extrem eng waren: Zwischen P3 und P7 lagen weniger als eine Zehntelsekunde.
Das größere Problem für McLaren war aber nicht nur der Defekt an Norris' Auto, sondern das grundsätzliche Tempo. Schon im einzigen Training hatte das Team nicht wie ein echter Kandidat für die Spitze ausgesehen. Norris wurde Siebter und lag dabei in einem Bericht mehr als eine Sekunde zurück, während McLaren sich in Silverstone insgesamt eher als viertschnellstes Paket präsentierte. Piastri bestätigte dieses Bild mit Rang sieben.
Der Australier sagte, P7 sei „mehr oder weniger das, was wir erwartet haben“. Nach dem Training habe McLaren „ziemlich langsam“ ausgesehen. Zwar habe sich das Auto etwas verbessert, „aber nicht so sehr, wie wir es gebraucht hätten“. Er habe das Gefühl gehabt, einen starken Tag gefahren zu sein, „aber wir hatten einfach nicht die grundlegende Pace“.
Norris rechnet deshalb auch im Sprint nicht mit einem Angriff auf die schnelleren Autos vor ihm. „Vielleicht können wir potenziell gegen den Red Bull kämpfen, aber der Mercedes von George ist klar deutlich schneller“, sagte der McLaren-Pilot. Gegen ein „viel schnelleres Auto“ werde es schwierig. Für McLaren bedeutet das: Selbst nachdem der Schaden begrenzt wurde, geht es in Silverstone vor allem darum, sich in der Verfolgergruppe zu behaupten statt ganz vorne einzugreifen.
© Jonathan Borba