Johnny Herbert hat Lewis Hamilton geraten, bei der Frage nach seinem Formel-1-Ende schonungslos ehrlich zu sich selbst zu sein, auch wenn der Ferrari-Pilot stark in die Saison 2026 gestartet ist.
Im Podcast Stay On Track sagte der dreimalige Grand-Prix-Sieger, der entscheidende Punkt komme dann, wenn sich die Formel 1 nicht mehr „so einfach wie früher“ anfühle. Sein zentraler Rat an Hamilton sei deshalb klar: „Sei ehrlich.“ Herbert zweifelt nach eigenen Worten nicht an Hamiltons Motivation, sieht aber in dessen Alter von 41 Jahren zwangsläufig den Moment näher rücken, an dem die eigene Wettbewerbsfähigkeit nicht mehr ganz auf dem früheren Niveau liegt. Dann müsse ein Fahrer erkennen: „Es ist nicht mehr ganz so wie früher, und ich muss gehen. Ich hatte meine Zeit.“
Brisant ist das vor allem deshalb, weil Hamiltons Lage bei Ferrari nicht nur von seinem Alter bestimmt wird, sondern auch vom direkten Vergleich mit Charles Leclerc. Herbert sagte, Hamilton werde „von Charles getestet“ und bezeichnete den Monegassen als „die nächste Generation“. Genau dieser interne Maßstab verschärft die Frage, ob Hamilton noch auf demselben natürlichen Level operiert wie in seinen besten Jahren.
Damon Hill, der Weltmeister von 1996, stellte im selben Podcast aber auch infrage, ob sich Hamilton von außen überhaupt etwas sagen lässt. Hill sagte, Hamilton habe seine Karriere stets auf seine eigene Weise gestaltet und „nie“ Ratschläge akzeptiert. Gerade deshalb könne diese Entscheidung nur von Hamilton selbst kommen. Hill meinte, nichts sei frustrierender, als fremden Rat zu befolgen und später zu denken: „Das hätte ich nicht tun sollen. Warum habe ich auf diese Person gehört?“
Die Debatte kommt nicht aus dem Nichts. Hamiltons erste Ferrari-Saison 2025 verlief schwierig, er blieb ohne Podestplatz und sorgte mit mehreren negativen Aussagen für neue Fragezeichen über seine Zukunft. Herbert sprach rückblickend von einer „schrecklichen Zeit“, sagte aber auch, Hamilton sei 2026 „mit einer viel besseren Einstellung“ zurückgekehrt und wirke so, als habe er akzeptiert, an welchem Punkt seiner Karriere er angekommen sei.
Gerade das macht Herberts Einordnung so interessant: Sie steht im Kontrast zu Hamiltons jüngstem Aufschwung. Nach drei Rennwochenenden liegt Hamilton auf Platz vier der Fahrerwertung und hat in China mit Rang drei bereits sein erstes Ferrari-Podium geholt. Je nach Angabe aus den vorliegenden Informationen beträgt sein Rückstand auf Leclerc, der vor ihm liegt, sieben oder acht Punkte.
Hamilton selbst sieht diesen Saisonstart als Beleg dafür, dass er weiterhin „vorne mithalten“ kann. Genau darin liegt nun die entscheidende Spannung seiner Ferrari-Zeit: Die Ergebnisse zeigen, dass er noch konkurrenzfähig ist, doch Herbert hält den Moment für nah, in dem nicht mehr nur Resultate zählen, sondern Hamilton beantworten muss, wie lange sich Formel 1 für ihn noch wie früher anfühlt.
© Jonathan Borba