Lewis Hamilton hat nach Platz zwei beim Kanada-Grand-Prix erklärt, dass er Ferraris Simulator zur Rennvorbereitung wohl nicht mehr nutzen wird, nachdem ihn das System aus seiner Sicht mehrfach auf den falschen Setup-Weg geführt hat und Montreal zu seinem bislang besten Wochenende für die Scuderia wurde.
Der Ferrari-Pilot hatte nach Miami angekündigt, den Simulator aus Maranello vor Kanada bewusst nicht zu nutzen. In Montreal folgte dann seine stärkste Vorstellung seit dem Wechsel zu Ferrari: Hamilton kämpfte in der Schlussphase mit Max Verstappen, ging am Red-Bull-Fahrer vorbei und wurde Zweiter.
Nach dem Rennen machte Hamilton klar, dass er den Simulator höchstens noch zur Nachbereitung einsetzen will. Im Gespräch mit Medien, darunter RacingNews365, sagte der siebenmalige Weltmeister: „Beim Simulator, ich meine, ich werde ihn sicher irgendwann fahren. Was gut sein könnte, wäre zum Beispiel, nach diesem Wochenende zurückzugehen und eine Korrelation herzustellen, damit wir herausfinden können, wo etwas fehlt.“ Für die unmittelbare Vorbereitung auf künftige Grands Prix klingt das deutlich skeptischer: „Ob ich ihn aber zur Vorbereitung auf ein weiteres Rennen nutze? Wahrscheinlich nicht. Dafür gibt es einfach zu viele Risiken. Wenn man sich die zwei besten Rennen ansieht, die ich hatte, habe ich keinen Simulator benutzt, und genau so war es ehrlich gesagt.“
Hamilton hatte die Richtung bereits vor dem Kanada-Wochenende angedeutet. „Bei Simulationen habe ich das Gefühl, dass die Zielpfosten sich ständig verschieben“, sagte er. Deshalb habe er sich diesmal entschieden, „auszusetzen und mich mehr auf die Daten zu konzentrieren“. Statt virtueller Vorbereitung habe er mit seinen Ingenieuren tiefer an Kurvenbalance, mechanischer Balance, Kurvenansätzen, Bremsbalance und der Optimierung der Bremsen gearbeitet, „was für mich seit einiger Zeit ein Problem ist“. Das habe, so Hamilton, „zu einer wirklich guten Integration mit meinen Ingenieuren geführt“.
Gerade dieser Zusammenhang macht das Montreal-Ergebnis für Ferrari heikel. Hamilton stellte nicht nur den Wert eines zentralen Werkzeugs infrage, sondern verband seinen Fortschritt ausdrücklich mit realer Streckenarbeit und der Zusammenarbeit an der Strecke. Er sagte auch, dass der Simulator zwar ein „mächtiges Werkzeug“ sein könne, für ihn aber nicht zwingend nötig sei: „Ich bin oldschool. Wahrscheinlich bin ich ohne ihn besser.“
Noch schärfer wurde der Kontrast innerhalb des Teams durch Charles Leclercs Seite der Garage. Der Monegasse sprach nach dem Rennen von „einem der schlimmsten, wenn nicht dem schlimmsten Wochenende meiner Karriere“ und räumte ein: „Ich muss arbeiten, um an einem Tag wie diesem auf Lewis’ Niveau zu kommen.“ Hamiltons Ton war das genaue Gegenteil. „Der glücklichste Tag meiner Ferrari-Zeit bisher“, sagte er. „Ich habe jetzt endlich das Ingenieursteam, auf das ich hingearbeitet habe. Ich denke, unser Auto ist großartig. Ich kann es verstehen und fühle mich deutlich wohler damit.“
Die Außenwirkung blieb nicht aus. Sky-Sports-F1-Kommentator David Croft nannte Hamiltons Entscheidung in der Sky Sports F1 Show „ziemlich vernichtend“ für Ferraris Simulator. Wenn ein Fahrer das Tool meide und danach sein bestes Ferrari-Wochenende fahre, müsse man sich aus Crofts Sicht um die Korrelation zwischen Fabrik und Strecke sorgen. Croft sagte, er würde sich über mögliche Korrelationsprobleme Gedanken machen, wenn, wie Hamilton es beschrieben habe, „das Setup, das er nach dem Simulator bekommt, oft das falsche ist“.
Für Ferrari ist das mehr als nur eine ungewöhnliche Fahrer-Vorliebe. Hamiltons Montreal-Wochenende hat die bisherige Erzählung seiner schwierigen Eingewöhnung verändert: Sein klarster Fortschritt kam ausgerechnet dann, als er den Simulator wegließ, enger mit seinen Ingenieuren an realen Daten arbeitete und teamintern deutlich vor Leclerc lag. Damit steht nicht nur ein Entwicklungswerkzeug unter Druck, sondern auch die Frage, auf welchem Weg Ferrari Hamiltons Formanstieg künftig am besten absichert.
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