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Hamilton fordert mehr Einfluss bei Motorregeln

Vor dem Grand Prix von Miami hat die Formel 1 nach heftiger Kritik an den Motorregeln kurzfristig mehrere Anpassungen vorgenommen. Die Debatte darüber legte sofort offen, wie umstritten der Einfluss der Fahrer auf künftige Reglementsentscheidungen tatsächlich ist.

Ausgelöst wurde die neue Diskussion durch die viel kritisierten Vorgaben, die bei Fans und Fahrern auf Widerstand gestoßen waren, besonders bei Max Verstappen. Nach den jüngsten Änderungen forderte Lewis Hamilton, siebenmaliger Weltmeister und Mercedes-Pilot, in Miami mehr formelle Mitsprache für die Fahrer. Zwar arbeiteten die Fahrer untereinander eng zusammen und träfen sich regelmäßig, sagte Hamilton, doch entscheidend sei: „Wir haben keinen Platz am Tisch.“ Deshalb müsse sich das ändern.

Hamilton argumentierte, die Fahrer seien derzeit keine Stakeholder im eigentlichen Sinn, obwohl gerade sie die Folgen neuer Regeln direkt auf der Strecke spürten. Er warb dafür, FIA und Formel 1 müssten stärker mit den Piloten zusammenarbeiten, statt Rückmeldungen nur von Personen einzuholen, die nie selbst ein Auto gefahren seien. „Wir wollen unseren Sport nicht schlechtreden. Wir wollen, dass der Sport erfolgreich ist, und deshalb müssen wir zusammenarbeiten“, sagte er.

Besonders deutlich machte Hamilton das am Beispiel von Produktthemen wie den Reifen. Man müsse die Fahrer früh einbinden, um gemeinsam ein besseres Produkt zu entwickeln, statt erst nachträglich auf Kritik zu reagieren. Den aktuellen Prozess beschrieb er als nur langsam fortschreitend, als kleine Schritte, obwohl das gemeinsame Ziel aus seiner Sicht klar sei.

Widerspruch kam umgehend aus den Teamführungen. Ferrari-Teamchef Fred Vasseur wies Hamiltons Darstellung zurück und erklärte, die Fahrer seien „überhaupt nicht ausgeschlossen“ von Rückmeldungen zu wichtigen Entscheidungen über die Zukunft der Formel 1. Mit Blick auf die jüngsten Änderungen am Motorenreglement sagte er, die Fahrer seien in den vergangenen Wochen Teil der Diskussionen gewesen. „Wir suchen immer noch nach dem Tisch!“, scherzte Vasseur.

Auch bei Williams verwies Teamchef James Vowles auf konkrete Einbindung. Nach seinen Angaben wurde Carlos Sainz von FIA-Single-Seater-Direktor Nikolas Tombazis vor der Regeländerung konsultiert. Vowles lobte, Tombazis habe Sainz und andere einbezogen, bevor die Anpassung beschlossen wurde. Gleichzeitig unterstützte er die grundsätzliche Forderung nach Fahrerbeteiligung, warnte aber davor, dass dabei einzelne Interessen den Prozess verzerren könnten. Es dürfe nicht in eine Richtung gehen, die von der Agenda eines bestimmten Motorenherstellers geprägt sei.

Vowles machte damit den Kern des Konflikts deutlich: weniger die Frage, ob Fahrer überhaupt gehört werden, sondern wie ihre Stimme organisiert werden soll. Er verwies auf Überlegungen, ihre Ansichten über ein Formular systematischer zu erfassen und einen Fahrervertreter vor oder in FIA-Sitzungen einzubinden. Mehr Personen am Tisch seien nicht automatisch besser, sagte er, entscheidend sei eine strukturierte und ausgewogene Vertretung.

Brisant wurde die Diskussion auch durch den Zeitpunkt. In der Vorwoche hatten sich die Verantwortlichen bereits auf Änderungen für 2027 geeinigt, indem sie den bislang als nahezu 50:50 beschriebenen Leistungssplit anpassten und den Anteil des Verbrennungsmotors erhöhten. Gerade weil zentrale Motorfragen nun nachträglich korrigiert werden, wächst der Druck auf FIA und Formel 1, die Fahrer bei künftigen Reglemententscheidungen nicht nur informell anzuhören, sondern ihre Rolle klarer zu verankern.