Isack Hadjar hat seinen bislang besten Red-Bull-Erfolg in der Formel 1 mit viel Selbstkritik begleitet: Trotz Platz fünf beim Großen Preis von Kanada 2026 sagte der Franzose, beide gegen ihn verhängten Strafen seien fair gewesen.
Hadjar bekam in Montreal zunächst eine Zehn-Sekunden-Strafe, weil er sich im Duell mit Charles Leclerc auf der Gegengeraden mehrfach in der Verteidigung bewegte. Später folgte sogar eine Zehn-Sekunden-Stop-and-Go-Strafe, weil er unter doppelt geschwenkten gelben Flaggen nicht ausreichend verlangsamt hatte. An seiner Endplatzierung änderte beides nichts.
Viel mehr als das Ergebnis beschäftigte Hadjar aber, wie sein Rennen verlaufen war. Nach starken Eindrücken am Samstag fehlte ihm am Sonntag plötzlich die Pace. „Ich habe kein Problem mit den Strafen, ich denke, sie sind fair“, sagte Hadjar nach dem Rennen Medien wie Crash.net und RacingNews365. „Ich verstehe wirklich nicht, wo unsere Pace hin ist, weil ich da draußen massiv zu kämpfen hatte.“
Der heikelste Moment seines Rennens kam im Kampf mit Leclerc um Platz vier. Hadjar zog vor der letzten Schikane wieder Richtung Ideallinie und drängte den Ferrari dabei so weit nach außen, dass Leclerc nur mit einem abrupten Ausweichmanöver einen schweren Unfall vermied. Leclerc kam kurz darauf vorbei und wurde am Ende Vierter.
Hadjar übernahm die Verantwortung sofort. „Ich war zu hart, und es war nicht einmal Absicht“, sagte der Red-Bull-Fahrer. „Ich war einfach verwirrt, in welche Richtung er fahren wollte. Es war natürlich nie mein Ziel, ihn in die Wiese zu schicken.“ Er habe sich bei Leclerc entschuldigt, weil es „ehrlich gesagt ein bisschen dumm von mir“ gewesen sei.
Leclerc nahm die Entschuldigung an und stellte die Strafe nicht infrage. Gegenüber Canal+ sagte der Ferrari-Fahrer: „Ich denke, die Strafe ist absolut verdient.“ Die Szene sei „schon ein bisschen zu eng“ gewesen. Mit diesen Autos sei es aber „unglaublich schwer einzuschätzen“, weil die Geschwindigkeitsunterschiede so groß seien und man in den Spiegeln nur sehr wenig sehe.
Für Hadjar blieb trotzdem die größere offene Frage die unerklärliche Leistungsdelle am Sonntag. Er sagte, das Auto habe sich angefühlt, als wäre er „zurück im 1. Freien Training“, und nicht so, wie noch tags zuvor. Nach guten ersten Runden sei die Lücke nach vorne aufgegangen, und er habe das Tempo nicht mehr mitgehen können. Auf die Frage, ob nur der Topspeed das Problem gewesen sei, antwortete er: „Ich wünschte, es wäre nur der Topspeed gewesen, weil es das ganze Paket war.“ Selbst beim Reifenverhalten fand er keine Erklärung: Der Verschleiß sei praktisch null gewesen, die Rundenzeiten stabil, aber der Speed habe trotzdem gefehlt.
So wurde Hadjars bestes Ergebnis für Red Bull sportlich zwar zum Fortschritt, inhaltlich aber zu einem Rennen, das vor allem zwei Dinge offenlegte: ein Urteil der Stewards, das er ohne Widerspruch akzeptierte, und ein Pace-Problem, das Red Bull deutlich mehr Sorgen machen dürfte als die verlorene Zeit durch seine Strafen.
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