Haas hat den Grand Prix von Österreich 2026 nach den Startplätzen 13 und 15 nur auf den Rängen 14 und 16 beendet, und genau darin sah das Team die eigentliche Aussage des Wochenendes: Die Abläufe funktionierten, die Fahrer holten nach eigener Einschätzung das Maximum heraus, doch dem VF-26 fehlten Grundtempo und offenbar weiterhin ein ungelöstes technisches Element.
Schon im Qualifying hatte sich dieser Widerspruch gezeigt. Ollie Bearman fuhr in Q2 mit 1:07,523 auf Platz 13, Esteban Ocon wurde mit 1:07,817 15. Bearman verlor im Rennen nach einem schlechten Start zunächst Positionen und kam nach seinen Stopps in Runde 24 und 46 nur als 14. ins Ziel. Ocon, der von Platz 15 losfuhr, machte früh Plätze gut, fiel im weiteren Verlauf aber zurück und wurde nach Stopps in Runde 18 und 34 als 16. gewertet.
Bearman beschrieb besonders deutlich, wie wenig sich ein besseres Fahrgefühl in Resultate übersetzen ließ. Der Brite sagte nach dem Qualifying, es sei in den vergangenen fünf Rennen das beste Gefühl gewesen, das er mit dem Auto gehabt habe, trotzdem sei die Konkurrenzfähigkeit gleich geblieben. Er gehe immer mit der Hoffnung in eine Qualifying-Session, mit einer "Mega-Runde" ein kleines Wunder Richtung Q3 schaffen zu können, "aber heute haben wir gezeigt, dass wir trotz all dem nicht einmal in der Nähe waren".
Im Rennen fiel das Urteil noch härter aus. Bearman sprach von einem schwierigen Tag und davon, dass Haas über die Distanz "sehr langsam" gewesen sei. Nach dem schlechten Start habe er viel Streckenposition verloren und sei danach festgesteckt. Gegen Audi, Racing Bulls und Alpine sei Haas "nirgendwo in der Nähe" gewesen und deutlich langsamer. Auch die Balance habe überhaupt nicht gepasst.
Ocon verwies auf den großen Aufwand vor dem Qualifying, als das Team über Nacht viele Teile an seinem Auto wechselte, um überhaupt den Einzug in Q2 zu schaffen. Die Runde zum Weiterkommen in 1:08,231 wertete er deshalb als sehr stark. Das Grundproblem verschwand jedoch nicht. Schon am Samstag sagte er, Haas kämpfe weiter mit einigen Schwierigkeiten, deren Ursache man noch nicht genau kenne.
Am Sonntag wurde Ocon konkreter. Das Problem am Auto sei weiter da, sagte der Franzose, und Haas fehle "viel Abtrieb". Dadurch rutsche er auf den Reifen, könne sich in den ersten Runden noch halten, werde danach aber von anderen Autos überholt. Sein starker Start, bei dem er fast in die Punkteränge kam, änderte daran nichts. Zwischenzeitlich war er bei den Racing Bulls, später wurde er sogar überrundet.
Ayao Komatsu, Teamchef von Haas, zog aus dem Wochenende deshalb eine klare Linie. Operativ habe die Mannschaft in Spielberg an beiden Tagen gute Arbeit geleistet, sagte er, und sowohl im Qualifying als auch im Rennen das Maximum aus dem Auto geholt. Gerade das mache die Bilanz aber ernüchternd: Platz 13 und 15 im Qualifying sowie 14 und 16 im Rennen seien "nicht da, wo wir sein wollen". Die zentrale Aufgabe sei nun offensichtlich: "Wir müssen das Basisniveau anheben, das heißt ein schnelleres Auto."
Für Haas verschärft das Wochenende damit vor allem die sportliche Standortbestimmung. Wenn Bearman selbst mit einer nahezu perfekten Runde keine realistische Chance auf Q3 sieht und Ocon trotz eines starken ersten Umlaufs über die Renndistanz chancenlos wird, liegt das Problem tiefer als bei Ausführung oder Strategie. In der Konstrukteurswertung liegt TGR Haas F1 Team nach Spielberg auf Rang sieben mit 21 Punkten.
© Jonathan Borba