© Alberto-g-rovi

Grosjean über Renault-Aus: Vertrauen beschädigt

Romain Grosjean sagt, dass ihn Renaults Ausmusterung nach nur sieben Formel-1-Rennen 2009 in seinem Selbstvertrauen getroffen habe und er sich mitten im Crashgate-Chaos am „falschen Ort zur falschen Zeit“ gefühlt habe.

Im Gespräch mit FanAmp schilderte Grosjean, wie abrupt und unsicher sein erster Schritt in die Formel 1 verlief. Damals fuhr er in der GP2 und arbeitete parallel in einer Bank. Nach seinem ersten Grand Prix in Valencia 2009 saß er am Montagmorgen schon wieder dort am Arbeitsplatz. „Nach meinem ersten Formel-1-Rennen in Valencia 2009 bin ich am Montagmorgen wieder zur Bank zur Arbeit gegangen“, sagte Grosjean. „Ich dachte mir: Das wird schwierig, das aufrechtzuerhalten.“ Gleichzeitig sei es für ihn wichtig gewesen, auch das kennenzulernen, was er als normales Leben bezeichnete.

Als Renault ihn kurzfristig in die Formel 1 holte, habe er die Gelegenheit nicht ablehnen können. „Man sucht sich den Zeitpunkt für die Formel 1 nicht wirklich aus“, sagte er. Doch sein Aufstieg fiel in eine Phase, in der das Team durch Crashgate erschüttert wurde. Grosjean rückte für die letzten sieben Rennen der Saison 2009 ins Cockpit, wurde nach dem Verkauf des Teams an Genii Capital für 2010 aber nicht behalten. Stattdessen entschied sich die neue Führung für Vitaly Petrov.

Rückblickend beschreibt Grosjean diese Phase als einen Moment, in dem die Umstände gegen ihn liefen. Nach der Enthüllung von Crashgate, dem Rückzug Renaults aus der Formel 1 und dem Besitzerwechsel sei für ihn schnell klar gewesen, wie wenig Platz noch für Kontinuität blieb. „Ich schätze, damals kann man sagen: falscher Zeitpunkt, falscher Ort“, sagte er. Er habe sich „wie ein Möbelstück“ gefühlt, „das man austauscht, wenn man in ein neues Haus kommt“, und „ab da war es im Grunde vorbei“.

Sein Weg zurück führte über den GP2-Titel 2011, doch auch die Rückkehr 2012 war für ihn emotional schwierig. Zwar trat das Team inzwischen als Lotus an, aus Grosjeans Sicht war es aber fast dieselbe Mannschaft wie zuvor in Enstone. „Renault wurde zu Lotus, aber es waren dieselben Ingenieure, derselbe Teammanager, 98 Prozent der Leute waren dieselben“, sagte er. Genau das habe das Comeback kompliziert gemacht, weil er an einen Ort zurückkehrte, an dem man ihm aus seiner Sicht bereits das Etikett verpasst hatte, nicht gut genug für die Formel 1 zu sein.

Den Stimmungswechsel habe er dann schnell selbst erzwungen. Beim Saisonauftakt 2012 in Australien qualifizierte sich Grosjean als Dritter. „An diesem Punkt dachten sie wohl: Vielleicht ist er doch nicht so schlecht“, sagte er. Aus der Rückkehr in ein Umfeld, das sein Vertrauen zuvor beschädigt hatte, wurde so ein Neustart, der ihn noch vier Saisons beim Enstone-Team hielt, bevor er 2016 zu Haas wechselte.