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Formel 1 ringt um Bahrain-Comeback 2026

Die Formel 1 und Liberty Media arbeiten daran, mindestens eines der im April wegen des Nahost-Konflikts ausgefallenen Rennen in Bahrain oder Saudi-Arabien noch 2026 nachzuholen, doch jeder realistische Termin würde den Kalender und die Teams an eine heikle Grenze bringen.

Als naheliegendste Lösung gilt das freie Wochenende zwischen Aserbaidschan und Singapur Anfang Oktober. Dort ließe sich ein Nachholrennen unterbringen, ohne den restlichen Kalender komplett umzubauen. Kommt diese Variante nicht zustande, wird auch ein Termin am 6. Dezember diskutiert. Dafür müsste Abu Dhabi, das vertraglich als Saisonfinale festgeschrieben ist, um eine Woche auf den 13. Dezember rücken.

Derek Chang, CEO von Liberty Media, sagte bei der Präsentation der Quartalszahlen vor Investoren: „Wir werden mit Vorsicht handeln. Es könnte möglich sein, ein Rennen gegen Ende der Saison neu anzusetzen.“ Er ergänzte, dass die Führung der Formel 1 „Tag und Nacht“ daran arbeite, mindestens eines der beiden Events neu einzuplanen.

Der Preis dafür wäre hoch. Ein Oktober-Termin würde die Schlussphase der Saison weiter verdichten und mehrere Triple-Header noch belastender machen. Ein Rennen im Dezember wäre für die Abläufe noch komplizierter, weil es gemeinsam mit Las Vegas, Katar und dem eingeschobenen Event sogar zu einem historischen Vierfach-Header kommen könnte. Dazu kommt, dass die Teams nach Abu Dhabi ohnehin noch mehrere Tage für einen Pirelli-Test zur Datensammlung für 2027 in der Region bleiben.

Stefano Domenicali, CEO der Formel 1, machte im Investorenkontext deutlich, wie eng der Spielraum ist. „Die Fristen oder Zeitfenster ändern sich je nach dem, ob wir nachholen müssen, was im April nicht gefahren wurde, oder auf das reagieren, was Ende November oder Anfang Dezember geschehen könnte“, sagte er. Man koordiniere sich mit Teams und Veranstaltern, weil jede Entscheidung einen Dominoeffekt auslöse.

Die größte operative Hürde bleibt die Logistik. Team- und Pirelli-Material soll weiterhin in Bahrain stehen, während wichtige Frachtwege für Asien-Rennen normalerweise über Dubai oder Doha laufen. Alternative Lösungen mussten bereits für den Japan-Grand-Prix organisiert werden. Vor allem Singapur gilt in der zweiten Saisonhälfte deshalb als besonders schwierig, sowohl für Material als auch für Personal.

Das trifft nicht alle Teams gleich. Reisekosten für Personal fallen zwar nicht unter die Budgetobergrenze, Materialtransport aber schon. Geänderte Routen und alternative Umschlagpunkte treiben diese Kosten nach oben und belasten kleinere Rennställe stärker. Ein Haas-Vertreter sagte dazu: „Für kleinere Teams wirken sich die gestiegenen Transportkosten stärker aus - nicht unbedingt, weil unsere Ausgaben höher wären als jene großer Teams, sondern weil sie einen größeren Anteil unseres Budgets ausmachen. Unser Logistikteam arbeitet intensiv an Lösungen.“

Hinzu kommt, dass eine Verlegung des Kalenders weit mehr bedeutet als nur ein freies Wochenende zu füllen. Teams verschiffen unterschiedliche Materialpakete je nach Ziel per Seefracht, und selbst mit Monaten Vorlauf müssten diese Pläne umfassend neu geschrieben werden. Wegen der Vorgaben zu Transportwegen und Nachhaltigkeit kamen nach Japan bei einigen Teams Container, darunter Chassis, teils mit mehr als einer Woche Verspätung ins Werk zurück.

Noch schwerer wiegt die personelle Belastung. Große Teams können eher rotieren, kleinere deutlich schlechter. Für manche Funktionen gibt es inzwischen Wechselmodelle, für fahrerbezogene Ingenieure, spezialisierte Techniker, Sportdirektoren und anderes Schlüsselkader an der Strecke aber kaum. Ein zusätzliches Rennen würde die zweite Saisonhälfte auf 12 Events in 16 Wochen aufblasen und viele dieser Mitarbeiter fast vier Monate ohne echte Pause von zu Hause fernhalten.

Damit hängt die Kalenderfrage längst nicht nur an Bahrain oder Dschidda. Sollte der Konflikt nicht bald enden, stünde auch die Austragung der Saisonendrennen in Katar und Abu Dhabi infrage. Genau deshalb ist das Nachholen eines April-Ausfalls für die Formel 1 zwar finanziell und sportlich attraktiv, praktisch aber nur dann vertretbar, wenn die Lage in der Region rasch stabil genug wird, um nicht die gesamte Schlussphase der Saison zu gefährden.