© Jonathan Borba

Formel 1 prüft neue Rücklichter ab Kanada

Die Formel 1 prüft laut einem Bericht von SoyMotor ein neues farbcodiertes Rücklicht-System, das nach mehreren Beinahe-Unfällen den Energiezustand des vorausfahrenden Autos sichtbar machen und schon ab dem Kanada-Grand-Prix eingeführt werden könnte.

Im Kern geht es darum, gefährliche Geschwindigkeitsunterschiede auf der Geraden früher erkennbar zu machen. Neben dem bisher bekannten roten Rücklicht sollen drei weitere Farben zum Einsatz kommen: Lila, Blau und Gelb. Diese Lichter würden nur dann aktiviert, wenn der elektrische Teil der Power Unit nicht seine maximale Leistung abgibt. Für den Fahrer dahinter wäre damit in Echtzeit erkennbar, in welchem Deployment-Zustand sich das Auto vor ihm befindet.

Der Sicherheitsgedanke dahinter ist klar. Bei den aktuellen Hybridantrieben kann es zum sogenannten Clipping kommen, wenn ein Auto am Ende einer Geraden seine elektrische Energie aufgebraucht hat. Dann verliert es plötzlich Leistung und kann deutlich langsamer werden als erwartet. Gerade für den nachfolgenden Fahrer ist das heikel, weil sich der Geschwindigkeitsunterschied sehr abrupt aufbaut und kaum vorhersehbar ist.

Nach Angaben von SoyMotor soll die Farbcodierung verschiedene Energiesituationen abbilden. Sie würde also nicht nur signalisieren, dass ein Auto gerade nicht die volle elektrische Leistung nutzt, sondern auch, wie stark die Einschränkung ausfällt. Genannt werden dabei Zustände von einer geringeren Energieladung als in der vorherigen Runde an derselben Streckenstelle bis hin zu einem sogenannten Superclipping. Damit bekäme der Verfolger eine deutlich präzisere Information als mit dem bisherigen System.

Bislang werden die Rücklichter in der Formel 1 nur in bestimmten Situationen genutzt und praktisch immer in Rot. Dazu zählen Regenbedingungen, die Boxengasse oder Fälle, in denen ein Auto ein Problem auf der Strecke hat beziehungsweise massiv Energie verliert. Genau diese bisherige Logik gilt nach den jüngsten Vorfällen als zu grob, weil sie nicht ausreichend zeigt, wann ein vorausfahrendes Auto an einem eigentlich schnellen Streckenabschnitt plötzlich deutlich langsamer wird.

Als konkreter Hintergrund für den gestiegenen Handlungsdruck wird der Zwischenfall zwischen Oliver Bearman und Franco Colapinto in Japan genannt. Der Vorfall hat nach dem Bericht offengelegt, dass das bisherige rote Warnsignal für solche Situationen nicht präzise genug ist. Die Idee eines erweiterten Lichtcodes zielt deshalb direkt darauf ab, Kollisionen oder Beinahe-Kollisionen zu verhindern, die durch überraschende Leistungsabfälle entstehen.

Noch ist das System allerdings nicht beschlossen. SoyMotor beruft sich auf eine „sehr zuverlässige Quelle“ und berichtet, dass FIA und Formel 1 an der Maßnahme arbeiten. Die Einführung hängt von einer offiziellen Genehmigung ab. Gleichzeitig heißt es in dem Bericht, alles deute darauf hin, dass die unterschiedlichen Rücklichtfarben bereits ab dem Grand Prix von Kanada zu sehen sein könnten.

Sollte die Freigabe kommen, wäre das ein ungewöhnlich schneller Eingriff in die laufende Saison. Der Schritt passt in die sicherheitsorientierte Arbeit rund um das Reglement 2026, würde aber nicht erst mit dem neuen technischen Zyklus greifen. Für die Fahrer hätte das sofort praktischen Wert: Sie könnten künftig besser einschätzen, ob das Auto vor ihnen in einem Superclipping-Zustand steckt, an derselben Stelle weniger Energie einsetzt als in der Runde zuvor oder bewusst Batterie für einen späteren Angriff spart.