© Jonathan Borba

FIA bremst ADUO-Erwartungen vor Kanada-Check

Die FIA hat die Erwartungen an ADUO kurz vor dem ersten Prüfpunkt nach dem Grand Prix von Kanada deutlich gedämpft und klargemacht, dass das neue Hilfssystem für 2026 keine schnelle Leistungsangleichung bringen soll. Nikolas Tombazis, FIA-Direktor für Einsitzer, stellte klar, dass Hersteller trotz zusätzlicher Freiheiten weiter selbst den besten Motor bauen müssen, um zu gewinnen.

ADUO steht für Additional Development and Upgrade Opportunities und greift nur dann, wenn ein Hersteller im FIA-Index für den Verbrennungsmotor mindestens 2 Prozent hinter dem besten Aggregat liegt. Tombazis betonte, das System sei "keine Art Balance-of-Performance-Mechanismus". Ein Team oder Hersteller bekomme dadurch nicht plötzlich "mehr Kraftstoffdurchfluss oder mehr oder weniger Ballast". ADUO sei auch "keine Wunderwaffe". Ein Hersteller müsse "trotzdem den besten Motor bauen, um zu gewinnen".

Damit setzt die FIA den Ton für ein Instrument, das vor allem Entwicklungsspielraum schaffen soll, nicht aber sportlich direkt eingreift. Tombazis beschrieb ADUO als einen Budget-Cap-Entlastungsmechanismus, der einem Power-Unit-Hersteller bei erfüllten Kriterien zusätzlichen Raum zur Weiterentwicklung innerhalb des technischen Reglements verschafft.

Der erste Bewertungszeitraum sollte ursprünglich nach dem Miami Grand Prix enden, wurde nach den Ausfällen der Grands Prix von Bahrain und Saudi-Arabien aber angepasst. Nun umfasst das erste Fenster die Saisonrennen in Australien, China, Japan, Miami und Kanada. Die FIA will die Ergebnisse spätestens zwei Wochen nach dem Kanada-GP kommunizieren.

Öffentlich macht der Verband seine Leistungsdaten nicht. Klar ist nur, dass die FIA die Verbrennungsmotor-Performance über die Saison hinweg überwacht. Nach den vorliegenden Informationen liegt Honda derzeit unter dem Referenzwert, während auch Ferrari, Red Bull Powertrains-Ford und Audi auf eine mögliche Einstufung im ADUO-System geprüft oder diskutiert werden.

Gerade deshalb ist der unmittelbare Effekt des Systems weniger auf der Strecke als in der Entwicklungsabteilung zu erwarten. Der wichtigste praktische Hebel ist laut Reglement finanzieller Natur: Hersteller mit 2 bis 4 Prozent Rückstand können pro Periode bis zu 3,0 Millionen US-Dollar zusätzliche Entwicklungsmarge erhalten. Bei 8 bis 10 Prozent Rückstand sind es bis zu 8,0 Millionen US-Dollar, bei 10 Prozent oder mehr sogar bis zu 11 Millionen US-Dollar pro Periode. Für 2026 kommt in diesem Extremfall noch die Möglichkeit hinzu, bis zu 8 Millionen US-Dollar aus künftigen Budget-Cap-Perioden vorzuziehen.

Damit wird der Kanada-Prüfpunkt vor allem zur ersten echten Standortbestimmung der neuen Motorenära. Für die betroffenen Hersteller entscheidet sich dort nicht, ob die FIA das Kräfteverhältnis künstlich begradigt, sondern wer zusätzliches Geld und Entwicklungsfreiheit bekommt, um den Rückstand aus eigener Kraft zu verkleinern.