Die FIA wird ihr neues ADUO-System nach dem Kanada-GP 2026 erstmals anwenden und damit Power-Unit-Herstellern mit einem ICE-Rückstand von mindestens 2 Prozent zum besten Motor zusätzliche Updates sowie Entlastung unter dem Cost Cap ermöglichen.
Damit greift die Formel 1 erstmals im neuen Motorenzyklus trotz homologierter Antriebe wieder in die Entwicklungsmöglichkeiten ein. Die erste Bewertungsphase wurde wegen der Kalenderänderungen infolge der Lage im Nahen Osten von ursprünglich sechs auf fünf Rennen verkürzt und umfasst nun Australien, China, Japan, Miami und Kanada. Die Ergebnisse sollen spätestens zwei Wochen nach dem Kanada-GP veröffentlicht werden. Weitere Überprüfungen sind nach dem Hungaroring und nach dem Wochenende in Mexiko-Stadt vorgesehen.
ADUO ist in den Technischen Regeln von 2026 bis 2030 verankert. Grundlage ist ein von der FIA berechneter ICE-Performance-Index, der unter anderem Drehmoment, Motordrehzahl, die Leistung des MGU-K und die Auswirkung der Leistung auf die Rundenzeit einbezieht. Wer mit seinem Verbrennungsmotor mindestens 2 Prozent hinter dem besten ICE liegt, erfüllt die Schwelle für die zusätzlichen Hilfen.
Nikolas Tombazis, FIA-Direktor für Einsitzer, betonte bei der Erläuterung des Systems, dass ADUO keine klassische Leistungsangleichung sei. Es handle sich um „einen Cost-Cap-Entlastungsmechanismus“. Tombazis stellte zugleich klar, dass das System „keine Wunderwaffe“ sei, sondern nur Spielraum gebe, „um innerhalb des Rahmens der Technischen Regeln zu entwickeln“.
Wie stark die Unterstützung ausfällt, hängt vom gemessenen Rückstand ab. Bei einem Defizit von 2 bis 4 Prozent sind bis zu 3,0 Millionen US-Dollar zusätzlich möglich, dazu ein Extra-Update in der laufenden Saison und ein weiteres in der folgenden. Ab 4 Prozent Rückstand steigen die Eingriffe auf zwei zusätzliche Updates in der laufenden und zwei in der nächsten Saison. Finanzielle Spielräume gibt es dann gestaffelt bis zu 4,65 Millionen US-Dollar bei 4 bis 6 Prozent, 6,35 Millionen bei 6 bis 8 Prozent und 8 Millionen bei 8 bis 10 Prozent Rückstand. Wer mindestens 10 Prozent zurückliegt, kann pro ADUO-Periode bis zu 11 Millionen US-Dollar erhalten. Für 2026 kommt in diesem Fall die Möglichkeit hinzu, bis zu 8 Millionen US-Dollar aus künftigen Perioden vorzuziehen.
Die zusätzlichen Freiheiten sind allerdings eng begrenzt. Updates innerhalb einer Saison sind nicht kumulativ, sie müssen in den von der FIA festgelegten Zeitfenstern eingesetzt werden und verfallen, wenn sie nicht rechtzeitig genutzt werden. Noch wichtiger: Hersteller, die nach den ersten beiden Bewertungsphasen eines Jahres keine ADUO-Freigabe erhalten, können auch nach der dritten und letzten Phase derselben Saison nicht mehr in das System aufgenommen werden.
Damit wird ADUO für 2026 zum Sicherheitsnetz für Nachzügler unter den neuen Motorenregeln, ohne den sportlichen Wettbewerb direkt anzugleichen. Entscheidend wird nun, welche Hersteller nach Kanada tatsächlich die 2-Prozent-Schwelle reißen und damit mitten im homologierten Zyklus wieder Entwicklungsfreiheit bekommen.
© Jonathan Borba