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Ferrari kämpft nach Miami mit Motor-Defizit

Ferraris größtes Problem nach Miami ist nicht das Chassis der SF-26, sondern der Rückstand bei der Power Unit. Obwohl das Auto intern und in den vorliegenden Berichten als stark eingeschätzt wird, reiste die Scuderia in Florida erstmals 2026 ohne Top-3-Ergebnis aus Sprint oder Grand Prix ab, weil ihr auf den Geraden Leistung gegen Mercedes und auch Red Bull fehlt.

Das fiel in Miami besonders deutlich auf. Ferrari brachte mit elf neuen Teilen das größte Update-Paket des Wochenendes, Charles Leclerc führte im Grand Prix zeitweise rund 15 Runden, und trotzdem kippte das Rennen mit zunehmender Distanz. Der Nachteil lag laut den Berichten vor allem auf den Geraden, wo Ferrari gegenüber McLaren und vor allem den Mercedes-befeuerten Autos Zeit verlor. Teamchef Frederic Vasseur sagte nach dem Wochenende in den Team-Medien: „Das Tempo war in freier Fahrt stark und wir kämpften vorne mit, aber sobald wir in Verkehr zurückfielen, wurde es schwieriger, und die Konstanz war das Hauptproblem.“

Dass Ferrari das Grundauto nicht als Hauptbaustelle sieht, unterstreicht auch Vasseurs zweiter Hinweis auf den Rennverlauf von Leclerc. „Es gab einen großen Leistungsunterschied zwischen der Phase, in der Charles führte, und dem späteren Teil des Rennens. Das müssen wir uns ansehen, denn im Sprint war es ein ähnliches Bild“, sagte er. In den zusammengefassten Berichten wird die Power Unit ausdrücklich als bisheriger Schwachpunkt des SF-26-Projekts beschrieben, ein Defizit, das nach den vorhandenen Daten sowohl Leclerc als auch Lewis Hamilton immer wieder hervorgehoben haben.

Der Blick geht deshalb direkt nach Montreal, und die Aussichten sind sportlich nicht viel besser. Der Circuit Gilles Villeneuve gilt mit seinem Stop-and-go-Charakter und mindestens vier wichtigen Geraden als Strecke, die Ferraris aktuelles Defizit eher noch sichtbarer machen könnte als Miami. Gerade dort, wo Beschleunigung und elektrische Leistungsabgabe den Unterschied machen, droht der SF-26 erneut ins Hintertreffen zu geraten.

Die kurzfristige Hoffnung liegt daher weniger in einem schnellen Wunder durch das bestehende Paket als in der FIA-Einstufung im ADUO-System. Diese Regelung eröffnet Herstellern begrenzte Entwicklungsmöglichkeiten an der Power Unit, wenn sie im Vergleich zur Referenz signifikant zurückliegen. In den Berichten werden dabei Schwellen von zwei bis vier Prozent sowie von vier Prozent und mehr zum Benchmark-Motor genannt.

Genau an diesem Punkt beginnt die politische Dimension. AutoRacer.it berichtet von einer gewissen Sorge in Maranello, dass die FIA Ferrari womöglich nicht die maximal vorgesehenen ADUO-Vorteile für die Weiterentwicklung der Power Unit zugesteht. Kanada könnte Ferrari in dieser Frage sogar helfen, weil das Layout die tatsächliche Größenordnung des Rückstands besonders klar sichtbar machen und die Scuderia womöglich über die entscheidende Vier-Prozent-Schwelle einordnen könnte. Zugleich heißt es, Toto Wolff habe bereits deutlich gemacht, dass die Föderation Ferrari nicht zu viel „Leine“ geben solle.

Klarheit wird es aber nicht sofort geben. Nach den vorliegenden Berichten kann Ferrari zwar nach einem FIA-Urteil an der Power Unit eingreifen, doch wie groß dieser Spielraum tatsächlich ist, dürfte sich erst nach Montreal zeigen. Selbst dann ist keine schnelle Lösung zu erwarten.

Denn ein neuer Ferrari-Motor wird nach der aktuellen Erwartung nicht vor dem Belgien-Grand-Prix in Spa debütieren. Damit dürfte das Leistungsdefizit des aktuellen Antriebs nicht nur in Kanada, sondern auch in Monaco, Spanien, Österreich und Großbritannien bestehen bleiben, und genau dieser Motor-Rückstand könnte darüber entscheiden, ob Ferrari im Titelkampf Anschluss hält oder weiter nur nah dran ist.