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Alpine verwirft radikalen Heckflügel schon in Miami

Alpine hat in Miami nach nur drei Rennen sein auffälliges 2026er Heckflügel-Konzept aufgegeben, die ursprünglich erst für Kanada geplante Umstellung vorgezogen und damit den Kern eines breiteren Upgrade-Pakets erstmals an die Strecke gebracht.

Das französische Team hatte bei den Wintertests mit einem ungewöhnlichen beweglichen Heckflügel für Aufmerksamkeit gesorgt. Statt die bewegliche Klappe wie bei den meisten Lösungen nach oben öffnen zu lassen, drückte Alpine sie beim Aktivieren nach unten, sodass das Element nahezu waagerecht lag. In Miami kehrte der A526 nun zu einer deutlich konventionelleren Auslegung zurück: Die obere Klappe klappt vorn nach oben auf und folgt damit eher dem bekannten DRS-Prinzip, auch wenn es laut Bericht kein klassisches DRS ist, weil die Vorderkante der Klappe über den Heckflügel hinausragt.

Der Schritt war mehr als ein schneller Richtungswechsel bei einem einzelnen Bauteil. Für die neue Spezifikation musste Alpine auch den Verstellmechanismus und die Endplatten des Heckflügels anpassen. Dazu kam in Miami eine neue Lösung im Bereich des Auslass-Endrohrs, die vom Ferrari-Konzept inspiriert ist. Während Ferrari dort mit einem einfacheren Leitblech arbeitet, setzte Alpine auf ein komplexeres Winglet-ähnliches Teil, das nicht direkt am Endrohr befestigt ist, sondern frei im Abgasstrom steht und die aerodynamische Effizienz verbessern soll.

Eigentlich sollte der neue Heckflügel erst in Kanada debütieren. Nach den Absagen der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien zog Alpine den Zeitplan aber vor und brachte die neue Version schon nach Florida. Für Miami gab es allerdings nur ein Exemplar, das nach seiner Ankunft am Mittwoch in Pierre Gaslys Auto eingebaut wurde. Franco Colapinto musste weiter mit der bisherigen Flügelversion fahren.

Steve Nielsen, Alpine-Geschäftsführer, sagte im Medienkontext über das Paket: „Ich glaube, dass es die Ergebnisse liefert, die wir erwartet haben, aber es ist sehr schwierig, in nur einem freien Training alles zu bewerten, wenn man gleichzeitig an so vielen anderen Bereichen arbeitet.“ Nielsen sprach dennoch von einem Fortschritt. „Die Updates, die wir gebracht haben, haben tatsächlich einen Schritt nach vorn bedeutet. Natürlich haben unsere Konkurrenten, besonders die vor uns, noch mehr gemacht. Wir sind zufrieden mit dem, was wir gebracht haben, und es kommen weitere Teile in Montreal. Das wird ein ständiger Prozess über das gesamte Jahr sein.“

Dass Alpine in Miami die Spezifikationen aufteilte, machte das Wochenende sportlich nicht wertlos. Colapinto erhielt zwar nicht den neuen Heckflügel, dafür aber unter anderem ein leichteres Chassis, und fuhr als Siebter sein bislang bestes Formel-1-Ergebnis ein. Nielsen hatte die neuen Teile insgesamt bereits knapp zusammengefasst: „Unsere Updates haben funktioniert.“

Die schnelle Abkehr von der im Winter viel beachteten Flügelidee zeigt vor allem, wie früh Alpine seine erste 2026er Grundannahme korrigiert hat. Bis Kanada sollen weitere Exemplare fertig werden, damit dann beide Fahrer mit der neuen Heckflügel-Version fahren können und das Team seinen Entwicklungskurs mit einer klar veränderten aerodynamischen Richtung fortsetzt.