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Verstappen erklärt Red Bulls Miami-Wende

Max Verstappen startet in Miami überraschend aus der ersten Reihe, und der Red-Bull-Pilot machte nach Platz zwei im Qualifying klar, dass hinter dem Umschwung mehr steckt als nur ein Updatepaket: Ein behobenes Lenkungsproblem und ein technisch deutlich stimmigerer RB22 haben das Team in wenigen Wochen zurück in Schlagdistanz gebracht.

Nach Platz fünf im Sprint fuhr Verstappen im Qualifying auf Rang zwei hinter Kimi Antonelli im Mercedes. Der Rückstand auf die Pole betrug nur etwa zwei Zehntel. Für Red Bull war das eine markante Kehrtwende, nachdem das Team beim vorigen Rennen noch mehr als eine Sekunde Rückstand hatte. „To be on the front row coming from over a second behind in the previous race is really incredible. It's massive“, sagte Verstappen in der Pressekonferenz nach dem Qualifying.

Der Niederländer hatte selbst nicht mit diesem Sprung gerechnet. Das Ziel für das Wochenende sei gewesen, etwas näher an die Topteams heranzukommen, was unter normalen Umständen eher Platz sieben bedeutet hätte. Stattdessen stand er erstmals in dieser Saison in den Top drei des Qualifyings und sprach anschließend von einem Auto, das sich endlich wieder berechenbar anfühlt.

Den größten technischen Fortschritt verortete Verstappen im Lenksystem. Auf Nachfrage in der niederländischen Medienrunde erklärte Max Verstappen, Red-Bull-Fahrer und viermaliger Weltmeister, dass dort zuvor „eindeutig etwas nicht in Ordnung“ gewesen sei. „Most of it is in the steering system, where something was clearly wrong before. They have finally been able to fix that, so now I can at least steer normally again“, sagte er. Nach eigener Aussage hatte er schon „from the very first lap in the Barcelona test“ auf das Problem hingewiesen, doch es sei schwer zu lokalisieren gewesen.

Verstappen betonte, dass die Sache komplexer gewesen sei, als es von außen wirkte. Nicht nur die Lenkung selbst habe eine Rolle gespielt, sondern auch Zusammenhänge mit der Aerodynamik und der Aufhängung. Während der Frühjahrspause tauschte Red Bull laut den Berichten die komplette Lenkstange und alle unterstützenden Komponenten, um jede mögliche Ursache abzudecken. Den Unterschied habe er bereits beim Filmtag in Silverstone gespürt, in Miami habe sich dieser Trend bestätigt.

Das allein erklärt den Sprung aber nicht. Parallel brachte Red Bull in Miami ein großes Upgrade-Paket mit stark überarbeiteten Seitenkästen, neuem Unterboden und einer eigenen Version des „Macarena wing“. Verstappen machte klar, dass ihn die Lenkungsänderung vor allem komfortabler im Auto gemacht habe, während die Updates den größeren Gesamtfortschritt ermöglichten. Zusammen habe ihn das aus der Rolle des bloßen Mitfahrers geholt. „I feel a lot more confidence and I don't feel like I'm a passenger anymore in the car“, sagte er. Zuvor habe der RB22 untersteuern, plötzlich ausbrechen oder sich von einer Session zur nächsten völlig anders anfühlen können, ohne dass Teile verändert worden seien.

Wie grundlegend sich das Fahrgefühl verändert hat, formulierte er auch auf Niederländisch deutlich: „Ik kan eindelijk rijden zoals ik wil rijden.“ Nach den ersten drei Rennwochenenden sei praktisch nichts richtig zusammengekommen. Nun fühle sich das Auto „viel mehr als ein Ganzes“ an, auch wenn Red Bull nach eigener Einschätzung noch nicht alles verstehe.

Teamchef Laurent Mekies bestätigte bei Viaplay, dass die Änderungen Wirkung zeigen. „De updates werken“, sagte er und sprach von „vijf behoorlijk intensieve weken“ sowie einem „behoorlijk serieus onderzoek“ nach dem schwachen Saisonauftakt. Das Problem sei nicht nur der Rückstand auf die Spitze gewesen, sondern auch, dass Verstappen und Isack Hadjar kein Auto gehabt hätten, mit dem sie wirklich hätten attackieren können.

Mekies stellte den Fortschritt als Ergebnis einer gemeinsamen Anstrengung dar. Es sei „een gezamenlijke inspanning, zowel aan de kant van het chassis als de motor“ gewesen. Gleichzeitig bremste er Erwartungen. Red Bull wisse, dass das noch nicht genug sei und noch nicht alles gelöst worden sei. Der Schritt habe das Team aber „zeker weer in de juiste richting geholpen“.

Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung dieses Samstags in Miami. Verstappen gewann nicht nur eine Startreihe, sondern ein Stück Kontrolle über ein Auto zurück, das ihn zu Saisonbeginn noch im Stich gelassen hatte. Für ein Team, das nach drei Rennen dringend Antworten brauchte, ist der Front-Row-Start vor allem der erste belastbare Hinweis darauf, dass Red Bull den RB22 wieder konkurrenzfähig machen kann.