© Jonathan Borba

F1 prüft Bahrain-Comeback und Saudi-Plan

Formel 1 und FIA prüfen konkret, ob mindestens eines der im April wegen des Kriegs im Nahen Osten abgesagten Rennen in Bahrain oder Saudi-Arabien noch 2026 in den Kalender zurückkehren kann.

F1-CEO Stefano Domenicali sagte laut RacingNews365, man könne „vielleicht eines zurückholen“. Im Zentrum der Überlegungen steht dabei das Wochenende vom 2. bis 4. Oktober zwischen dem Grand Prix von Aserbaidschan und dem Rennen in Singapur. Aus Sicht der FIA gilt Bahrain als die naheliegendste Lösung, auch weil sich Fracht bereits im Land befindet. Zugleich sollen saudische Offizielle stark auf eine Wiederaufnahme ihres Rennens drängen.

Damit ist ein Szenario auf dem Tisch, das noch vor wenigen Wochen kaum realistisch schien. Nach der Absage von Bahrain und Saudi-Arabien galt der bereits stark verdichtete Kalender nach der Sommerpause mit 11 Grands Prix in 16 Wochenenden als zu eng, um Ersatz oder Nachholtermine unterzubringen. Jetzt zeichnet sich ab, dass zumindest ein freies Fenster existiert.

BILD berichtet, Bahrain könnte am 4. Oktober auf dem Bahrain International Circuit ausgetragen werden. Das würde aus der Phase mit Baku am 27. September und Singapur am 11. Oktober einen Triple-Header machen. Ein Comeback beider Rennen wäre aber deutlich komplizierter.

Für Saudi-Arabien wird laut BILD der 6. Dezember diskutiert. Das würde jedoch nur funktionieren, wenn Abu Dhabi um eine Woche nach hinten rückt. Genau dort liegt das größte Problem: Das Saisonfinale in Abu Dhabi ist dem Bericht zufolge vertraglich fixiert und „nicht zu ändern“. RacingNews365 verweist ebenfalls darauf, dass Yas Marina die Saison abschließen muss, womit Saudi-Arabien nicht einfach den 13. Dezember übernehmen könnte.

Sollten beide abgesagten Läufe zurückkehren, entstünde am Saisonende sogar ein Vierfach-Header mit Las Vegas am 22. November, Katar am 29. November, Saudi-Arabien am 6. Dezember und Abu Dhabi am 13. Dezember. Logistisch wäre das zwar nicht völlig ausgeschlossen, doch RacingNews365 spricht von „zahlreichen Hürden“. Vor allem die Belastung für das Personal wäre enorm und könnte Teammitglieder nach einer ohnehin zermürbenden Saison an den „breaking point“ bringen.

Hinzu kommt die Lage der Fans. Wer bereits Tickets, Flüge und Hotels für Abu Dhabi am ursprünglich geplanten Wochenende gebucht hat, würde von einer Verschiebung direkt getroffen. Das macht einen ohnehin sensiblen Eingriff in den Kalender noch schwieriger.

Die entscheidende Voraussetzung bleibt in jedem Fall dieselbe: Der Krieg im Nahen Osten müsste enden. Beide Berichte machen klar, dass ohne eine Verbesserung der Sicherheitslage weder Bahrain noch Saudi-Arabien zurückkehren können. RacingNews365 zufolge muss darüber aber nicht sofort entschieden werden. Quellen aus dem Umfeld der Situation gehen demnach davon aus, dass eine Entscheidung erst Mitte August nötig wäre. BILD schreibt zudem, über den Vorschlag solle im Juli abgestimmt werden.

Finanziell steht für die Formel 1 ebenfalls viel auf dem Spiel. RacingNews365 berichtet, die Antrittsgebühren für Bahrain und Saudi-Arabien in Höhe von zusammen rund 100 Millionen Pfund seien bereits im Voraus an die Formel 1 gezahlt worden. BILD beziffert das mit insgesamt rund 100 Millionen Euro an Veranstaltergebühren. Das erhöht den Anreiz, zumindest einen Teil des verlorenen Doppelpacks doch noch zu retten.

Andere Ausweichlösungen spielen bislang kaum eine Rolle. RacingNews365 meldet zwar, dass alle Optionen geprüft würden, doch ein spätes Rennen in Silverstone sei ein „non-starter“. Für andere europäische Strecken gilt wegen des Wetters praktisch dasselbe. Selbst die Türkei, die ab der kommenden Saison mit einem Fünfjahresvertrag bis 2031 fest in den Kalender zurückkehrt, wird nur als entfernte Möglichkeit für das Oktober-Fenster genannt, weil dafür realistisch zu viele Voraussetzungen erfüllt werden müssten.

Damit läuft alles auf eine Frage hinaus: ob die Formel 1 erst Bahrain in die Lücke Anfang Oktober schiebt oder ob sie mit einer Verschiebung von Abu Dhabi sogar versucht, auch Saudi-Arabien noch unterzubringen. Optionen gibt es, aber jede davon hängt an Frieden in der Region, am engen Kalender und an Grenzen, die das Fahrerlager personell kaum weiter dehnen kann.