Fernando Alonso hat nach dem Formel-1-Wochenende in Miami erklärt, Aston Martin habe mit Honda endlich das seit Saisonbeginn zentrale Vibrationsproblem des AMR26 gelöst, was dem Team nach Monaten der Rückschläge zumindest bei der Zuverlässigkeit einen wichtigen Wendepunkt verschafft.
Der Spanier sprach von einer „Erleichterung“, nachdem die in Japan erarbeiteten Gegenmaßnahmen auf der Strecke bestätigt wurden. „Verschwunden, würde ich sagen verschwunden“, sagte Alonso. Entscheidend sei nicht nur die unmittelbare Wirkung gewesen, sondern auch das Signal für die weitere Entwicklung: Solange man die Probleme nicht verstehe und sie nicht einzeln behebe, sei es schwierig, Vertrauen in die nächsten Performance-Schritte zu gewinnen. Umso wichtiger sei gewesen, dass sich die in Sakura gemessenen Vibrationen in Miami auch im Rennbetrieb als behoben erwiesen.
Wie ernst die Lage intern eingeschätzt wurde, zeigt die Schilderung aus dem Team, wonach Adrian Newey sogar davon sprach, Alonso und Lance Stroll hätten wegen der Intensität der Schwingungen Gefahr gelaufen, dauerhafte Nervenschäden an den Händen zu erleiden. Seit dem Saisonauftakt in Australien hatte das Problem die neue Aston-Martin-Honda-Kombination belastet und andere Komponenten in Mitleidenschaft gezogen.
Der technische Durchbruch entstand durch ein ungewöhnliches Testprogramm zwischen Suzuka und Miami. Aston Martin ließ ein Chassis in Japan, damit Honda auf seiner Basis in Sakura die Wechselwirkung zwischen Chassis und Antriebseinheit unter kontrollierten Bedingungen untersuchen konnte. Mike Krack, Aston Martins Chief Trackside Officer, sagte, man habe eines der Rennautos für Prüfstandstests in Sakura gelassen. Das habe geholfen, einige der Probleme zu entschärfen. Entscheidend sei dabei gewesen, den Übertragungsweg der Vibrationen mit dem echten Rennwagen zu verstehen, um an den Schnittstellen zu arbeiten, während Honda die Ursache auf der Seite der Antriebseinheit anging.
Shintaro Orihara, Hondas Trackside General Manager und Chief Engineer, bestätigte den Fortschritt nach dem Rennen. Man habe verifiziert, dass die Gegenmaßnahmen auf der Strecke gut funktionierten, sagte er, auch die Fahrer hätten positives Feedback gegeben. Dass Aston Martin in Miami sowohl die Sprintdistanz als auch die Grand-Prix-Distanz ohne größere Zuverlässigkeitsprobleme absolvierte, bezeichnete er als guten Fortschritt. Orihara erklärte zugleich, dass die Lösung aus Maßnahmen an Chassis und Power Unit bestand.
Für Aston Martin ist das ein wichtiger Schritt, aber noch keine sportliche Wende. Das Team blieb in Miami ohne Performance-Upgrades und tat das bewusst. Alonso sagte, dieser Plan habe schon vor Australien festgestanden. Angesichts der Zuverlässigkeitsprobleme und des Rückstands ergebe es keinen Sinn, zwei, drei oder vier Zehntel an die Strecke zu bringen, wenn sich das nicht in Resultate umsetzen lasse, weil das nächstplatzierte Auto rund eine Sekunde entfernt sei. Deshalb müsse das Team auch mit Blick auf das Budgetlimit eine klare Strategie verfolgen.
Alonso machte klar, dass die kurzfristige Arbeit nun weiter auf Fahrbarkeit und Zuverlässigkeit liegt, nicht auf großen Aero-Schritten. In Miami sei das Hauptproblem über das Wochenende eher das Getriebe als der Motor gewesen. „Ehrlich gesagt war das Problem das ganze Wochenende über eher das Getriebe als der Motor“, sagte er. Das Schaltverhalten sei beim Herunter- und Hochschalten sehr seltsam gewesen, deshalb sei das die Korrektur Nummer eins für Kanada.
Gerade weil das größte frühe Saisonproblem offenbar beseitigt ist, kann Aston Martin nun wieder echte Daten sammeln und seine nächsten Schritte sauber bewerten. Einen schnellen Sprung im Klassement erwartet Alonso trotzdem nicht. Bis nach der Sommerpause werde es wohl keine echte Verbesserung geben, sagte er, weshalb für die kommenden Rennen vor allem Ruhe, Geschlossenheit und ein stabiles Fundament für die zweite Saisonhälfte gefragt sind.
© Jonathan Borba