© Jonathan Borba

Alex Zanardi: Padua und Miami ehren sein Vermächtnis

Mehr als 2.000 Menschen haben am 1. Mai in der Basilika Santa Giustina in Padua Abschied von Alex Zanardi genommen, während die Formel 1 ihn am Wochenende des Miami Grand Prix als außergewöhnliche Figur des Motorsports und als Symbol der Widerstandskraft würdigte.

Die Bilder in Padua machten deutlich, wie weit Zanardis Bedeutung über den Rennsport hinaus reichte. Sein weißer Sarg wurde unter langem Applaus in die Basilika getragen, begleitet von seiner Frau Daniela und seinem Sohn Niccolò. Neben dem Altar stand ein Handbike, als Zeichen nicht nur seiner erfolgreichen Paralympics-Karriere, sondern auch seiner Fähigkeit, sich nach schwersten Rückschlägen neu zu erfinden. Kränze kamen unter anderem von BMW, Ferrari, Formel-1-CEO Stefano Domenicali und der Vereinigung Bimbingamba.

Parallel dazu erinnerte auch die Formel 1 in Miami an den Italiener. Dort gab es eine Schweigeminute, auf Audi- und Mercedes-Autos waren Sticker mit der Aufschrift „Ciao Alex“ zu sehen, und auf Esteban Ocons Haas stand Zanardis Name groß auf der Fahrzeugnase.

Im Zentrum aller Würdigungen stand sein Weg nach dem CART-Unfall 2001 auf dem Lausitzring in Deutschland, bei dem Zanardi beide Beine verlor. Martin Brundle, ehemaliger F1-Fahrer und heute Sky-F1-Kommentator, der in den frühen 1990er Jahren mit ihm im selben Feld fuhr, erinnerte an das Ausmaß des Unfalls. Zanardi habe „der wunderbarste Charakter und der außergewöhnlichste Mensch“ gewesen, sagte Brundle. Über die damalige Situation sagte er auch, Zanardi habe „so gut wie sein ganzes Blut“ verloren, und man habe in Monza sogar gehört, „dass er es nicht geschafft hat. Aber er hat es geschafft.“

Gerade deshalb wurde sein Vermächtnis nicht von dem Unfall bestimmt, sondern von dem, was danach folgte. Brundle erinnerte daran, dass Zanardi schon wenige Jahre später wieder im Tourenwagensport unterwegs war, in Europa- und Weltmeisterschaften, in angepassten Autos und mit Prothesen. Danach wechselte er ins Handbike und gewann Goldmedaillen bei den Paralympics in London 2012 und Rio de Janeiro 2016. Für Brundle war das Ausdruck einer „unerbittlichen Wettkampfnatur gegen alle Widrigkeiten“.

Auch Mark Webber stellte genau diese Comeback-Mentalität in den Mittelpunkt. Der ehemalige Formel-1-Fahrer sagte im Gespräch mit RacingNews365, Zanardis Rückkehr in den Spitzensport sei eine „absolut verrückte Leistung“ gewesen. Webber sprach von einer „unglaublichen Motivation und fast schon sturem Willen“, mit dem Zanardi trotz der Folgen des Unfalls einen Weg zurück ins Cockpit und später zu paralympischen Erfolgen fand. Sein Herz, sein Lächeln und seine Entschlossenheit hätten ihn für viele in der Szene unvergesslich gemacht.

Bei der Trauerfeier rückten die Redner aber nicht nur den Athleten, sondern vor allem den Menschen Zanardi in den Vordergrund. Don Marco Pozza, der den Gottesdienst leitete, erinnerte in seiner Predigt an ein Treffen mit Zanardi und zwei Gefangenen und sagte: „Manchmal reichen fünf Sekunden mehr, um den Unterschied zu machen.“ Diese fünf Sekunden standen in Padua sinnbildlich für eine Lebenshaltung, die von Nachdenken, Entscheidungen und der Fähigkeit zum Weiterlernen geprägt war.

Zanardis Sohn Niccolò griff dieselbe Botschaft auf. Er sagte, man müsse nicht Alex Zanardi sein, „um ein wunderbares und erfülltes Leben zu haben“, und Glück liege in den kleinen Dingen des Alltags. Gerade diese Sicht verband die Trauerfeier in Padua mit den Gesten in Miami: Gewürdigt wurde nicht nur ein früherer Formel-1- und IndyCar-Fahrer, sondern ein Mensch, dessen Rückkehr nach dem Verlust beider Beine und dessen spätere Paralympics-Goldmedaillen ihn zu einer der inspirierendsten Figuren des Sports gemacht haben.