© Jonathan Borba

Colapinto weist Bearman-Kritik nach Suzuka zurück

Franco Colapinto hat den Vorwurf von Oliver Bearman nach dem schweren Suzuka-Unfall zurückgewiesen und vor dem Grand Prix von Miami offengelegt, dass sein Versuch einer Aussprache nach dem Rennen offenbar ohne Antwort blieb.

Der Alpine-Pilot sagte, für ihn sei entscheidend, dass Bearman den 50G-Einschlag in die Barriere unverletzt überstanden habe. „Nach dem Rennen habe ich ihm sofort eine Nachricht geschickt“, erklärte Colapinto in Miami. „Er hat nie geantwortet.“ Viel mehr wollte er zu der Sache nicht sagen, machte aber klar, dass ihn Bearmans spätere öffentliche Kritik nicht kaltlässt. „Natürlich bin ich nicht glücklich über seine Kommentare, aber hoffentlich können wir das bald klären.“

Ausgelöst wurde die neue Debatte durch Bearmans Aussagen im Podcast Up to Speed. Der Haas-Fahrer hatte den Vorfall als „unacceptable“ bezeichnet und Colapinto vorgeworfen, sich vor Spoon zur Verteidigung seiner Position nach links bewegt zu haben. Bei einem Geschwindigkeitsunterschied von rund 45 bis 50 km/h habe Colapinto ihm nicht genug Platz gelassen, sagte Bearman. Er habe deshalb ausweichen müssen, um einen „much, much bigger crash“ zu verhindern, und sei am Ende froh gewesen, Colapinto nicht getroffen zu haben.

Colapinto widersprach dieser Darstellung deutlich, ohne den Konflikt weiter anheizen zu wollen. Er sieht die Verantwortung nicht allein bei sich, sondern auf beiden Seiten. „Wenn solche Dinge passieren, hat der Hintermann das volle Wissen über die Geschwindigkeit, mit der er unterwegs ist, über die Menge an Boost, die er verwendet, und über das, was er versucht“, sagte er. „Die Person davor ist viel mehr im Blindflug.“ Bei den heutigen Annäherungsgeschwindigkeiten reiche ein Blick in den Spiegel, und im nächsten Moment habe das Auto hinter einem schon 20 Meter gutgemacht. „Ich denke schon, dass beide eine Verantwortung tragen.“

Zugleich bestritt Colapinto, in dieser Phase aggressiv verteidigt zu haben. „Ich würde sagen, dass ich mich zu keinem Zeitpunkt in diesem Moment oder in dieser Kurve aggressiv bewegt habe, was seinen Zwischenfall oder seinen Crash ausgelöst hätte“, sagte er. Diese Sicht deckt sich mit der Einschätzung der FIA-Kommissare nach Suzuka. Auch Haas-Teamchef Ayao Komatsu hatte erklärt, Colapinto habe sich vor Kurve 13 konstant verhalten und sei nicht überwiegend für den Unfall verantwortlich gewesen. Eine Strafe gab es deshalb nicht.

Der Hintergrund der Kollision verstärkte die Diskussion in Suzuka zusätzlich. Weil Colapinto in diesem Streckenabschnitt weniger Energie zum Einsetzen hatte, war er dort deutlich langsamer als Bearman. Die FIA bestätigte später einen exakten Geschwindigkeitsunterschied von 45 km/h. Gerade diese extremen Closing-Speeds haben nach dem Unfall neue Sicherheitsfragen aufgeworfen.

Colapinto griff diesen Punkt in Miami selbst auf. Der große Schaden für Haas sei Teil des Rennsports, sagte er, entscheidender sei aber, dass die Serie aus solchen Situationen lernen müsse. „Wir müssen viel besser verstehen, wie wir das Racing sicherer machen und nicht dieses Maß an Risiko eingehen.“ In den vorliegenden Berichten wird auch erwähnt, dass die FIA die Regeln angepasst hat, um ähnliche Szenarien mit extremen Geschwindigkeitsdifferenzen seltener zu machen.

Bearman sagte in Miami zu Colapintos Darstellung, er habe die Nachricht „ehrlich gesagt“ nicht gesehen. Nachtragend sei er aber nicht. Es sei ein unglücklicher Unfall gewesen, sagte Bearman, und einer, der auch anders hätte ausgehen können. Gerade deshalb bleibt die Frage, wie Formel 1 mit diesen großen Tempodifferenzen umgeht, über den persönlichen Disput der beiden Fahrer hinaus die wichtigere Folge von Suzuka.