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Cadillac verliert in Miami durch altes Lenkradproblem

Valtteri Bottas hat in Miami die Kinderkrankheiten von Cadillac schonungslos offengelegt: Der Finne wurde in der Boxengasse mit 89,5 statt der erlaubten 80 km/h gemessen, kassierte eine Durchfahrtsstrafe und erklärte danach, ein seit längerem bekanntes Problem mit der Rückmeldung des Pit-Limiter-Knopfs am Lenkrad habe den Fehler ausgelöst.

Bottas sagte nach dem Rennen, er habe den Begrenzer zwar gedrückt, aber offenbar nicht fest genug. „Wir haben bei einigen Knöpfen noch nicht das richtige Feedback, also ein weiterer Fehler, an dem wir noch arbeiten“, erklärte der Cadillac-Pilot. Es sei ein bekanntes Problem, die neuen Knöpfe seien aber noch nicht eingetroffen. „Hoffentlich klappt es beim nächsten Rennen. Ja, das passiert eben, wenn man mit einem neuen Team anfängt.“ Cadillac rechnet damit, das Problem bis zum Kanada-GP vom 22. bis 24. Mai zu beheben.

Für Bottas ruinierte der Vorfall ein ohnehin schwieriges Rennen. Er wurde 18. und Letzter der gewerteten Fahrer, zwei Runden zurück, und machte die Durchfahrtsstrafe als Hauptgrund für das Ergebnis aus.

Gerade deshalb wog der Rückschlag schwer, weil Cadillac in Miami sein erstes größeres Update-Paket der Saison brachte und darin durchaus Fortschritte sah. Das Paket umfasste einen neuen Frontflügel und einen überarbeiteten Unterboden. Bottas bewertete die Richtung grundsätzlich positiv. „Ich denke, die Updates haben funktioniert“, sagte er, schränkte aber zugleich ein, dass das Team weiter mit Qualitäts- und Konstanzproblemen kämpfe. „Nicht jedes Teil, das wir ans Auto bauen, ist gleich, deshalb fehlt es noch etwas an Konstanz, aber insgesamt wird es besser.“

Damit traf Bottas genau den Punkt, den Cadillac intern noch als größte Baustelle sieht: Nicht der grundsätzliche Entwicklungspfad scheint das Problem zu sein, sondern die saubere Umsetzung. Teamchef Graeme Lowdon sagte Motorsport, die Unkonstanz hänge direkt mit dem frühen Aufbau des Projekts zusammen. „Alles ist so neu, dass es sehr schwierig ist, alle Prozesse auf das gewünschte Niveau zu bringen. Wir sind noch nicht so weit, aber wir werden es schaffen.“

Lowdon hatte schon vor dem Miami-Wochenende in einem Interview mit GRANDE PRÊMIO klargemacht, dass Cadillac den positiven Saisonstart nicht zum Anlass nehmen werde, die Ziele sofort höher zu hängen. Nach nur drei Rennen sei es dafür zu früh. Entscheidend sei zunächst, sich bei Design, Produktion, Betrieb und Rennausführung weiter zu verbessern.

Sportlich sah Cadillac in Miami dennoch einen echten Schritt. Nach eigener Einschätzung brachte das Upgrade-Paket das Team näher ans dicht gedrängte Mittelfeld und auf das Niveau von Aston Martin. Lowdon sprach von einem „wirklich großen Schritt nach vorn“ in mehreren Bereichen und betonte, dass weitere Upgrades bereits vorbereitet werden. Der Schwerpunkt liege dabei vor allem auf der Aerodynamik, während auch Gewichtseinsparungen weiter Teil des Entwicklungsplans bleiben.

Miami hat damit zwei Seiten von Cadillacs Frühphase gezeigt: Das Auto kommt mit den ersten großen Updates voran, doch bekannte Schwächen in Prozessen und Bauteilqualität kosten weiter Resultate. Für Bottas und das Team wird der Kanada-GP nun zum nächsten Test, ob der technische Fortschritt endlich nicht mehr von denselben Anfangsproblemen aufgefressen wird.