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BYD lotet mit Horner eigenes F1-Team aus

BYD prüft laut mehreren Berichten einen Einstieg in die Formel 1 als eigenständiges 12. Team und hat dazu nach dem öffentlich bestätigten Interesse an einem F1-Projekt bereits mehrfach mit Christian Horner gesprochen, der seit dem 8. Mai wieder für eine Rolle in der Serie verfügbar ist.

Auslöser für die neue Dynamik sind Treffen in Cannes am vergangenen Wochenende. Demnach hielten BYD-Vizepräsidentin Stella Li und Horner über zwei Tage hinweg mehrere Gespräche über ein mögliches Formel-1-Projekt ab. BYD veröffentlichte zudem Aufnahmen von seiner „Cannes Night“, auf denen Horner als Gast des Herstellers zu sehen war.

Die Gespräche wirken deshalb bedeutend, weil BYD nach den Berichten nicht in erster Linie einen Minderheitsanteil an einem bestehenden Team anpeilt. Zwar wurde der Konzern zuletzt mit dem von Otro Capital gehaltenen 24-Prozent-Anteil an Alpine in Verbindung gebracht. Der aktuelle Schwerpunkt soll aber auf dem Aufbau eines komplett neuen Werksteams liegen, das als zwölfter Rennstall an den Start gehen könnte.

Li hatte das Interesse des Unternehmens zuletzt selbst bekräftigt. Nach einem Treffen mit Formula One Group-CEO Stefano Domenicali in Shanghai sagte BYD-Vizepräsidentin Stella Li, man stehe „immer in engem Kontakt“. Sie ergänzte: „Ich mag die Formel 1, weil es um Leidenschaft und Kultur geht, und die Menschen davon träumen, in der Formel 1 zu sein.“ Zudem bestätigte sie, dass BYD einen Einstieg diskutiere, der dem Unternehmen die Möglichkeit gebe, „unsere Technologie auf die Probe zu stellen“.

Gerade dieser Punkt macht aus einem allgemeinen Herstellerinteresse ein konkreteres Szenario. Wenn BYD nicht nur mit der Formel 1 selbst spricht, sondern parallel mit Horner einen der erfolgreichsten Teamchefs der jüngeren Vergangenheit einbindet, gewinnt die Idee eines eigenen Projekts deutlich an Substanz.

Ein solcher Einstieg bliebe trotzdem an hohe Hürden gebunden. Ein 12. Team müsste sowohl von der FIA als auch vom Formula One Management genehmigt werden. Domenicali hatte im vergangenen September deutlich gemacht, dass FOM dabei zurückhaltend bleiben will. Man werde „nur ein Angebot von großer Bedeutung prüfen, weil wir, glaube ich, bereits an einem Punkt sind, an dem es keinen Spielraum mehr gibt; logistisch sind wir am Limit“, sagte er Journalisten. Deshalb müsse man „vorsichtig sein und den Wert schützen, den wir aufgebaut haben“.

Von FIA-Seite kommen dagegen offenere Signale. FIA-Präsident Mohammed Ben Sulayem sagte laut Berichten gegenüber ausgewählten Medien, darunter PlanetF1.com, bei einem chinesischen Antrag werde FOM zustimmen, „denn es geht darum, das Geschäft nachhaltig zu sichern“. Zugleich betonte er, es gehe nicht einfach darum, das Feld nur der Zahl wegen auf zwölf Teams aufzufüllen. „Es wird das richtige Team sein“, sagte er.

Genau das ist der Punkt, an dem das BYD-Horner-Szenario nun relevanter wird: BYD hat sein Interesse selbst bestätigt, Gespräche mit Domenicali sind bereits erfolgt, und mit Horner wird laut den Berichten schon eine mögliche Schlüsselfigur für ein eigenes Team ausgelotet. Damit wirkt ein chinesischer Antrag auf einen zwölften Startplatz nicht mehr wie bloße Spekulation, sondern wie ein Projekt, das in der Formel 1 politisch und sportlich ernsthaft an Kontur gewinnt.