Martin Brundle sieht vor dem Kanada-Grand-Prix eine wachsende Sorge im Formel-1-Fahrerlager: Die Fahrer seien „alle ein bisschen verängstigt“, wie sich die neuen 2026er Autos im Regen verhalten werden, während die Prognose für Sonntag in Montreal ein Regenrisiko von 60 bis 70 Prozent vorsieht.
Der ehemalige F1-Fahrer und heutige TV-Experte sagte Sky Sports News, die Unsicherheit hänge direkt mit dem Charakter der neuen Autos zusammen. „Die Fahrer sind alle ein bisschen verängstigt davor, wie diese Autos im Regen sein werden“, sagte Brundle. Die 2026er Generation habe „so viel Leistung und weniger Abtrieb, weniger Grip“, und bisher wisse niemand genau, wie sich das unter nassen Bedingungen auswirken werde.
Hintergrund ist der große Regelumbruch 2026 mit tiefgreifenden Änderungen an Aerodynamik und Antriebseinheiten. Zwar haben die Teams mit den neuen Autos bereits viele Kilometer abgespult, echte Erfahrungswerte im Regen fehlen aber weitgehend. Laut Brundle beschränkte sich das bisher im Wesentlichen auf begrenzte Ausfahrten beim Shakedown in Barcelona, ohne dass die Autos in einer echten Wettbewerbssituation im Nassen ans Limit gebracht wurden.
Genau das könnte nun ausgerechnet in Montreal passieren. Nach der am Mittwoch, 20. Mai, veröffentlichten Prognose liegt die Regenwahrscheinlichkeit am Sonntag für den Rennstart um 16 Uhr Ortszeit bei 65 Prozent, über weite Teile des Tages werden 60 bis 70 Prozent für leichten Regen erwartet. Damit könnte der Kanada-GP zum ersten ernsthaften Härtetest für die 2026er Autos auf nasser Strecke werden.
Brundle erwartet in diesem Fall ein schwer kalkulierbares Rennen. „Niemand hatte wirklich die Gelegenheit, sie in einer Wettbewerbssituation zu pushen, also könnten wir etwas Drama sehen“, sagte er.
Brisant wird das Szenario auch wegen der Strecke selbst. „Nur einer der letzten acht Grands Prix in Montreal kam ohne irgendeine Form von Safety Car aus, weil du nach einem Crash praktisch auf der Strecke stehen bleibst“, sagte Brundle. Er bezeichnete den Kurs als „eine ziemlich anspruchsvolle Strecke in dieser Hinsicht, old school, und wir lieben das“. Wenn die neue Fahrzeuggeneration dort erstmals unter echten Rennbedingungen im Regen gefordert wird, steigt für Teams und Fahrer die Gefahr eines unberechenbaren Grand Prix mit unmittelbaren Folgen für das Renngeschehen deutlich an.
© Jonathan Borba