Audi ist im Sprint-Qualifying von Silverstone zwar mit Gabriel Bortoleto auf Rang 12 und Nico Hülkenberg auf Rang 13 vor SQ3 ausgeschieden, wertet das Ergebnis intern aber eher als verpasste Chance denn als klares Leistungsdefizit.
Genau darauf zielte auch die Einordnung von Renndirektor Allan McNish im Teamstatement. Audi sei nach einem erwartungsgemäßen ersten Training problemlos durch SQ1 gekommen, habe dann in SQ2 aber mit keinem der beiden Autos eine saubere Runde zusammengebracht. Deshalb blieb es nur bei den Startplätzen 12 und 13, was laut McNish „leicht unter dem lag, wo wir uns gesehen hatten“.
Vor allem Bortoleto widersprach der Vorstellung, der gemessene Rückstand auf die Racing Bulls zeige das tatsächliche Kräfteverhältnis. Rund drei Zehntelsekunden hätten auf den Zeitenlisten gefehlt, doch aus seiner Sicht sei Audi näher dran gewesen. „Ich glaube nicht, dass wir so weit von den Racing Bulls entfernt sind“, sagte Gabriel Bortoleto, Audi-Pilot, nach der Session. Mit Blick auf die Differenz fügte er hinzu: „Ich denke, wir sind näher dran.“ Im Rückblick sei es leicht zu sagen, erklärte er, aber mit einem späteren Einsatz des Reifensatzes für die entscheidende Runde hätte man sich wohl weiter nach vorn schieben können.
Hülkenberg sah das Defizit aus einer anderen Perspektive. Seine Runde sei zwar sauber gewesen, sagte der Deutsche, dennoch habe Audi „nicht alles maximiert“. Im Sprint-Qualifying sei es deutlich windiger und böiger gewesen als noch im Training, was das Team offenbar stärker getroffen habe als einige direkte Gegner. Dazu kam laut Hülkenberg „eine etwas andere Run-Sequenz“, die erst ausgewertet werden müsse. Besonders im ersten Sektor habe Audi Zeit verloren.
Damit bleibt der Druck hoch. Seit dem Saisonauftakt in Australien wartet das Team auf weitere Punkte, Bortoleto wurde in den vergangenen drei Rennen jeweils Elfter und verpasste die Top 10 damit denkbar knapp. Hülkenberg hatte diese Serie bereits als „ärgerlich“ bezeichnet, während Bortoleto die jüngsten Resultate nüchterner einordnete: „Realistisch betrachtet haben wir in den vergangenen Rennen unser Maximum erreicht.“ Frustriert sei er trotzdem nicht, auch wenn drei elfte Plätze in Folge „besonders bitter“ seien.
Wichtig für Audis Bewertung ist deshalb weniger die nackte Platzierung als die Richtung der Entwicklung. Hülkenberg bezeichnete die jüngsten Updates am R26 als „grundsätzlich einen Schritt nach vorne“ und sagte, sie hätten „definitiv funktioniert“. Einen direkten Vergleich von Strecke zu Strecke hielt er zwar für schwierig, doch gerade ein weiteres Highspeed-Wochenende wie Silverstone soll mehr Aufschluss geben. Auch Bortoleto sprach von „große Fortschritte“ seit Saisonbeginn, mit deutlich weniger Problemen und mehr sauberen Wochenenden.
Das erklärt, warum Audi das Silverstone-Ergebnis trotz des erneuten Ausscheidens vor SQ3 nicht nur als Rückschlag liest. Für das Team ist es vor allem ein weiteres Wochenende, an dem die Punkte noch ausblieben, der Durchbruch aber mit einem funktionierenden Update-Paket und kleinerem Abstand nach vorn näher wirken soll.
© Eterna