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Audi nennt Motor-Rückstand in F1-Projekt „sehr groß“

Audi hat eingeräumt, dass die eigene Power Unit zu Beginn der Formel-1-Saison 2026 gegenüber den Spitzenteams einen „sehr großen“ Rückstand hat und dieser Nachteil den bisherigen Saisonverlauf des neuen Werksprojekts maßgeblich prägt.

Mattia Binotto, Audi-Teamchef, bezeichnete den Abstand beim Antrieb als das auf der Strecke sichtbarste Problem. Für Audi komme das nicht überraschend, weil der Hersteller 2026 als neuer Motorenbauer unter komplett neuen Regeln eingestiegen ist. „Wenn wir die Performance auf der Strecke bewerten, ist der offensichtlichste Punkt der Unterschied, den wir bei der Power Unit haben, was für uns keine Überraschung ist“, sagte Binotto. „Als völlig neuer Motorenhersteller ist es natürlich, einen Unterschied zu den besten Organisationen zu erwarten.“ Zugleich machte er klar, wie groß das Defizit derzeit ist: „Es ist ein sehr großer Unterschied, glauben wir, aber wir haben einen Entwicklungsplan für die Zukunft und darauf konzentrieren wir uns.“

Damit benennt Audi den zentralen Schwachpunkt seines Projekts ungewöhnlich offen. Nach der Übernahme der Sauber-Struktur startete die Marke 2026 in ihre erste Formel-1-Saison, holte beim Debüt in Australien durch Gabriel Bortoleto sofort Platz neun und damit zwei WM-Punkte, steht nach vier Rennen insgesamt aber weiter nur bei diesen zwei Zählern und auf Rang neun der Konstrukteurswertung.

Besonders deutlich traten die Probleme in Miami hervor, wo die Schwierigkeiten mit der Power Unit die Fahrzeugleistung beeinträchtigten. Hinzu kamen laut Audi wiederholt technische Defekte und Zuverlässigkeitsprobleme, die sowohl Bortoleto als auch Nico Hülkenberg weitere Resultate kosteten.

Binotto versuchte dennoch, die Lage als Teil eines erwarteten Lernprozesses einzuordnen. „Es geht nicht um Verzweiflung. Im Gegenteil, es geht darum zu verstehen, wo wir stehen“, sagte er. Zufriedenheit mit den ersten Schritten bedeute deshalb keine Selbstzufriedenheit. Um zu den führenden Teams aufzuschließen, müsse Audi in mehreren Bereichen zulegen, bei „Struktur, Teamgröße, Werkzeugen, operativer Leistungsfähigkeit und Personalentwicklung“.

Daran knüpft auch die langfristige Zielsetzung an. Audi hält trotz des schwierigen Starts an seinem Anspruch fest, bis 2030 um Meisterschaften zu kämpfen, räumt aber ein, dass der Weg dorthin lang sein wird. Konzernchef Gernot Döllner sprach dennoch von einem insgesamt ermutigenden Saisonbeginn. „Ich bin zufrieden mit unserem Start in die Saison und sehe das Team grundsätzlich auf einem guten Weg“, sagte Döllner. Gleichzeitig forderte er Geduld für ein Projekt „mit einem komplett neu entwickelten Antrieb“ und betonte, die Einsätze zeigten klar, wo in den Abläufen und auf technischer Seite noch Optimierungsbedarf bestehe.

Genau darin liegt nun die sportliche Bedeutung der ersten Wochen: Audi hat den Kern seines Problems identifiziert, spricht den Rückstand öffentlich aus und macht damit deutlich, dass der Erfolg des Projekts vor allem davon abhängt, wie schnell der neue Hersteller die Lücke bei der Power Unit und in der gesamten Organisation schließen kann.