© Jonathan Borba

Audi kämpft in Montreal weiter mit dem Startproblem

Gabriel Bortoleto rechnet für den Grand Prix von Kanada schon mit dem nächsten Rückschlag am Start, nachdem Audi seine vielversprechenden Ausgangspositionen in Montreal erneut nicht in ein Ergebnis ummünzen konnte. Der Brasilianer sagte nach dem Qualifying, man werde „höchstwahrscheinlich morgen wieder Positionen verlieren, außer alle hinter mir bauen am Start Mist und ich erwische einen Mega-Start“.

Damit sprach Bortoleto offen das Muster dieses Wochenendes an. Audi war über eine Runde nah dran, verpasste aber den entscheidenden Schritt jedes Mal knapp. Im Sprint-Qualifying fehlten Nico Hülkenberg auf die Top 10 nur vier Hundertstel, Bortoleto lag direkt dahinter. Im Qualifying für den Grand Prix landete Hülkenberg wieder auf Platz elf, diesmal nur 0,029 Sekunden vom Q3 entfernt, während Bortoleto 13. wurde und 0,214 Sekunden auf die Cut-Linie verlor.

Im Sprint zeigte sich dann am deutlichsten, warum diese knappen Niederlagen für Audi besonders schmerzen. Bei Bortoleto sackte beim Erlöschen der Ampeln sofort die Drehzahl ab, er kam nur langsam vom Fleck und verlor bis zur ersten Kurve drei Positionen. Nach der ersten Schikane fiel sein Auto erneut deutlich zurück, später lief er sogar in den Bereich seines Teamkollegen auf. Hülkenbergs Start war zunächst noch „im Grunde okay“, doch unter Druck von Franco Colapinto verlor auch er in der Anfangsphase an Boden. Auf dem Weg zu den Kurven 8 und 9 verbremste er sich, musste über die schmutzige Linie und das Gras ausweichen und fiel von Platz elf auf Platz 15 zurück.

Dazu kam für Hülkenberg noch eine Strafe, die Audis Sprint endgültig entwertete. In Runde elf verteidigte er sich vor der letzten Schikane gegen Liam Lawson, wechselte dabei zweimal die Linie, verbremste sich dann erneut und fuhr in Kurve 13 geradeaus. Lawson funkte sofort: „Er muss den Platz aufgeben.“ Hülkenberg behielt die Position aber zunächst, und die Stewards werteten das als bleibenden Vorteil. Für den Verstoß gegen die Driver Standard Guidelines gab es die übliche Zehn-Sekunden-Strafe.

Dass das Problem tiefer geht als reine Chassis-Performance, benannten beide Fahrer selbst. Bortoleto sagte nach dem Qualifying: „Wir leiden sehr unter der Fahrbarkeit der Power Unit, unter der Leistung, daran müssen wir arbeiten und uns verbessern.“ Man bringe Änderungen und Software-Updates, lerne aber noch, was funktioniere und was nicht. Hülkenberg beschrieb die gleiche Schwäche aus seiner Sicht ähnlich klar: „Das Hauptthema war wirklich die Fahrbarkeit und die Motorseite, und diese Strecke legt diese Bereiche ziemlich offen.“

Bortoleto versuchte trotz seiner deutlichen Wortwahl nicht, Schuld zu verteilen. „Ich werde jetzt nicht lügen und den Optimisten spielen, und morgen verlieren wir dann wieder Positionen“, sagte er. „Es ist etwas, woran wir arbeiten, ganz klar. Es geht nicht darum, mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, es ist einfach ein Problem, das wir lösen müssen.“

So blieb Audi auch am Samstag trotz erkennbarer Konkurrenzfähigkeit ohne Ertrag. Hülkenberg nannte den Sprint „lehrreich“, aber „kein erfolgreicher“. Mit der Strafe fiel er auf Rang 15 zurück, Bortoleto wurde durch andere Zwischenfälle und Boxenstopps noch auf Platz 12 gewertet. Vor dem Grand Prix steht Audi damit weiter vor demselben Problem: Das Auto ist nah genug dran, um die Top 10 zu attackieren, aber die ungelöste Start- und Fahrbarkeitsschwäche kostet genau die Positionen, die dafür nötig sind.