Franco Colapinto ist beim Grand Prix von Miami nach der 20-Sekunden-Strafe gegen Charles Leclerc als Siebter gewertet worden und hat damit nicht nur sein bestes Formel-1-Ergebnis erzielt, sondern auch das beste eines Argentiners seit Carlos Reutemanns zweitem Platz in Südafrika 1982.
Der Alpine-Pilot machte aus dem Wochenende sofort Kapital, nachdem das Team in Miami ein großes Upgrade-Paket an den A526 gebracht hatte. Dazu gehörten ein neues, leichteres Monocoque, aerodynamische Änderungen an der vorderen und hinteren Brems-Hardware sowie an den Querlenkern, überarbeitete Floor-Kanten, ein Auspuff-Flügelchen nach Ferrari-Vorbild und ein neuer Heckflügel. Colapinto qualifizierte sich für Sprint und Grand Prix jeweils auf Platz acht, wurde im Sprint Zehnter und überquerte im Hauptrennen zunächst als Achter die Ziellinie, ehe ihn Leclercs Strafe auf Rang sieben nach vorne brachte.
Für Colapinto war das der klare Wendepunkt eines Wochenendes, das er selbst als sein bislang bestes in der Formel 1 einstufte. Franco Colapinto, Alpine-Fahrer, sagte nach dem Rennen, es sei seit seinem Einstieg in die Formel 1 sein „perfektestes Wochenende“ gewesen. Er habe das Gefühl, dass das Team jede Session maximiert und starke Punkte geholt habe. In Kanada wolle Alpine nun darauf aufbauen.
Den Leistungssprung führte er direkt auf das neue Material zurück. Colapinto sagte, er sei dem Team sehr dankbar „für die neuen Teile, die Upgrades, die neuen Flügel, das neue Chassis“. Das habe ihm geholfen, sich im Auto besser zurechtzufinden und mehr Pace zu finden. Er lobte auch den Aufwand in Enstone während der Pause und sagte, das Team habe einen sehr großen Einsatz gebracht, um die neuen Teile und das neue Chassis rechtzeitig an die Strecke zu bringen. Entsprechend stolz sei er auf die Leistung gewesen, mit der Alpine die Geschwindigkeit des Autos habe zeigen können.
Besonders auffällig war seine Form im Qualifying. Colapinto schlug Teamkollege Pierre Gasly in beiden Miami-Qualifyings, obwohl er nicht einmal den neuen Heckflügel zur Verfügung hatte. Im Sprint verlor er zwar zwei Positionen und fiel hinter Gasly zurück, nachdem er sich in Kurve 2 außen neben Max Verstappen und Lewis Hamilton wiederfand und lupfen musste. Im Grand Prix blieb er trotz eines Kontakts in der ersten Runde im Rennen und verteidigte seine Position in einem chaotischen Rennverlauf.
Die Berührung mit Hamilton wurde von den Stewards nicht weiter verfolgt. Colapinto profitierte zunächst von Verstappens Dreher vor dem Ferrari, dann kam es in Kurve 11 zum Kontakt, als Hamilton außen vorbeigehen wollte. Beide Autos trugen Schäden bis ins Ziel, doch Colapinto hielt sich auf der Strecke auf Rang acht und erbte durch Leclercs Strafe noch einen weiteren Platz.
Im Team wurde der Auftritt als Beleg dafür gewertet, welches Niveau Colapinto regelmäßig erreichen soll. Flavio Briatore, Teamchef von Alpine, sagte in einem Teamstatement, Colapinto habe eine sehr gute Woche mit einer Leistung abgeschlossen, „auf dem Niveau, das wir an jedem Rennwochenende von ihm erwarten“. Das Auto sei konkurrenzfähig, und genau solche Leistungen brauche das Team konstant von beiden Fahrern und der gesamten Mannschaft, um seine Ziele zu erreichen.
Auch Steve Nielsen, General Manager von Alpine, verwies auf den technischen Hintergrund des Fortschritts. Er erklärte, das in Miami eingesetzte Chassis sei leichter als die frühere Version, die Colapinto zuvor genutzt hatte, und jeder eingesparte Kilo sei „reine Performance“. Nielsen sagte, frühe Chassis seien wegen der FIA-Homologation und der Crashstrukturen oft schwerer, spätere Exemplare würden mit der Weiterentwicklung leichter. Colapinto fahre nun mit Chassis Nummer drei, und das habe im Rahmen des Reglements einen klaren Performancegewinn gebracht.
Nielsen sieht darin aber nicht die einzige Erklärung. Nach schwierigen ersten Rennen gegen Gasly habe Colapinto offenbar auch mental einen Schritt gemacht. Er wirke in Miami deutlich wohler im Auto als zu Beginn der Saison, und Alpine hofft nun, dass dieser Durchbruch anhält.
Die Punkte aus Miami unterstreichen den Trend des Teams. Alpine liegt laut den vorliegenden Angaben früh in der Saison auf Platz fünf der Konstrukteurswertung, und Colapintos Ausbeute half dabei, nach vier Rennen bereits 23 Punkte zu erreichen. Damit hat das Team die 22 Zähler aus der gesamten Saison 2025 schon jetzt übertroffen.
© Jonathan Borba