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Alex Zanardi mit 59 Jahren gestorben

Alex Zanardi ist tot: Die Familie des früheren Formel-1-Fahrers, zweifachen CART-Champions und späteren Paralympics-Stars gab bekannt, dass er am 1. Mai im Alter von 59 Jahren gestorben ist. Über die Kanäle seines Obiettivo3-Projekts teilte die Familie mit, sein Tod habe sich „plötzlich“ am Abend ereignet. „Alex ist friedlich im Kreise seiner Lieben eingeschlafen“, hieß es weiter. Angaben zur Ursache wurden nicht gemacht, Details zur Beisetzung sollen später folgen.

Mit Zanardi verliert der Motorsport eine der außergewöhnlichsten Figuren seiner Zeit, weil seine Karriere weit über seine Jahre in der Formel 1 hinausging. Der in Bologna geborene Italiener debütierte 1991 in der Königsklasse und fuhr dort für Jordan, Minardi, Lotus und Williams. Seine größten Erfolge auf der Rundstrecke feierte er aber in den USA, wo er für Chip Ganassi 1997 und 1998 zwei CART-Titel gewann und zu den prägenden Fahrern der Serie wurde.

Die entscheidende Zäsur seines Lebens kam am 15. September 2001 auf dem Lausitzring. Bei einem CART-Rennen verlor Zanardi nach einem Unfall beide Beine und wäre wegen des massiven Blutverlusts beinahe gestorben. Nach 15 Operationen, sechs Wochen im Krankenhaus und einer langen Reha kämpfte er sich dennoch zurück. Dass er dabei seinen Humor nicht verlor, zeigte ein Auftritt bei den Caschi-d’Oro-Preisen von Autosprint, als er nur wenige Wochen nach dem Unfall auf der Bühne scherzte: „Ich war schon lange nicht mehr so emotional. Ich bin so bewegt, dass meine Beine zittern.“

Zanardi kehrte sogar in den Motorsport zurück. Mit handbedienten Fahrzeugen fuhr er wieder Rennen und vollendete 2003 auf dem Lausitzring symbolisch die 13 Runden, die ihm 2001 gefehlt hatten. Später startete er auch in Tourenwagenserien für BMW und gewann 2005 im WTCC in Oschersleben, später auch in Istanbul und Brünn.

Sein zweites Weltklasse-Kapitel schrieb er aber im Para-Radsport. Mit dem Handbike wurde Zanardi zu einem der erfolgreichsten paralympischen Athleten Italiens. Bei den Paralympics 2012 in London gewann er zwei Goldmedaillen und eine Silbermedaille, 2016 in Rio kamen zwei weitere Goldmedaillen und noch einmal Silber hinzu. Dazu kamen Siege beim New-York- und Rom-Marathon sowie weitere internationale Erfolge, die ihn weit über den Motorsport hinaus bekannt machten.

Auch nach dem nächsten schweren Einschnitt blieb Zanardi für viele ein Symbol der Widerstandskraft. Am 19. Juni 2020 erlitt er bei einer Etappe der Obiettivo-3-Staffel in der Toskana schwere Kopfverletzungen, als er mit seinem Handbike mit einem entgegenkommenden Lastwagen kollidierte. Es folgten weitere Operationen und eine jahrelange Behandlung, ehe er im September 2022 dauerhaft nach Hause zurückkehrte. Danach wurde nur noch wenig über seinen Gesundheitszustand bekannt.

Die FIA reagierte auf die Nachricht mit einer Würdigung, die Zanardis Bedeutung für den Sport auf den Punkt brachte. Der Weltverband nannte ihn „one of sport’s most admired competitors“ und „an enduring symbol of courage and determination“. Genau dieses Vermächtnis bleibt: ein Fahrer, der nach der größten Katastrophe seines Lebens noch einmal zu einem Champion wurde.