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Wolff warnt vor F1-Regelumbau mit der Brechstange

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat vor der virtuellen Schlüsselsitzung der Formel-1-Spitze am 20. April 2026 zu gezielten Nachbesserungen am umstrittenen 2026er-Reglement geraten und vor einem radikalen Eingriff gewarnt. Nach nur drei Rennen brauche die Serie zwar Anpassungen bei Sicherheit und Qualifying, sagte er, aber nur „mit dem Skalpell und nicht mit dem Baseballschläger“.

Wolff stellte die Sitzung als Versuch dar, aus den ersten Wochen unter dem neuen Regelwerk die richtigen Schlüsse zu ziehen, ohne das sportliche Gleichgewicht unnötig zu zerstören. Die Gespräche zwischen Fahrern, FIA, Formel 1 und Teams seien „konstruktiv“ gewesen, sagte der Mercedes-Teamchef vor Medien vor Beginn des Treffens. „Wir verfolgen alle dieselben Ziele.“ Es gehe darum, „das Produkt“ zu verbessern, das Racing auf der Strecke zu stärken und zugleich bei der Sicherheit nachzuschärfen.

Der Druck auf die Beteiligten ist nach dem Saisonstart deutlich gestiegen. Das 2026er-Reglement mit einer ungefähr 50:50-Verteilung zwischen Verbrenner- und Elektro-Leistung hat das Energiemanagement in Qualifying und Rennen stark in den Vordergrund gerückt. Mehrere Fahrer kritisierten, dass sie in der Qualifikation nicht mehr konstant voll angreifen können, weil sie ständig den Batteriestand im Blick behalten müssen.

Dazu kommen Sicherheitsbedenken nach Ollie Bearmans Unfall in Suzuka, bei dem der Haas-Pilot mit 50 g in die Streckenbegrenzung einschlug. Der Crash rückte die großen Geschwindigkeitsdifferenzen unter den neuen Regeln in den Fokus und verstärkte den Ruf nach Änderungen.

Für Wolff ist das trotzdem kein Anlass für einen großen Regelsturz. Er sagte, man arbeite an „guten Lösungen“, die hoffentlich noch am selben Tag ratifiziert werden könnten. Zugleich warnte er vor einem bekannten Fehler aus der Vergangenheit: Entscheidungen seien in der Formel 1 schon öfter „erratisch“ getroffen worden, dann sei man „zu weit“ gegangen und habe später erkannt, dass es nicht gut war.

Die Ziele für die aktuelle Korrektur umriss Wolff klar. Das Qualifying solle spektakulärer und für die Fahrer angenehmer werden, Sicherheitsprobleme müssten adressiert werden, und gleichzeitig müsse geschützt werden, „was wirklich gut“ am Racing sei, vor allem das Überholen. Die ersten Schritte wirkten aus seiner Sicht, als gingen sie in die richtige Richtung, „ohne zu weit zu gehen und ohne zu wenig zu tun“. Deshalb sei er „vorsichtig optimistisch“, dass sich die Beteiligten auf diesen Kurs verständigen könnten.

Wolff verknüpfte seine inhaltliche Linie mit einem Appell an die Beteiligten, die Debatte nicht durch öffentliche Scharmützel zu verschärfen. Unterschiedliche Meinungen seien legitim, sagte er, doch diese Diskussionen sollten vor allem innerhalb der zuständigen Gruppen geführt werden. „Wir alle - die Fahrer, die FIA, die Formel 1 und die Teams - müssen uns unserer Verantwortung als Hüter dieses Sports bewusst sein.“

Entscheidend sei, Verbesserungen datenbasiert und im Interesse des Sports vorzunehmen, nicht aus taktischen Eigeninteressen einzelner Parteien. Wolff sagte, man orientiere sich an Daten und letztlich an der Frage, was die Fans lieben und was nicht. Genau deshalb drängt Mercedes vor der entscheidenden Runde nicht auf den großen Umbruch, sondern auf Korrekturen, die die Schwächen der neuen Regeln beheben, ohne die Qualität des Rennsports weiter zu beschädigen.