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Wolff warnt Russell und Antonelli vor WM-Zoff

Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat vor einem möglichen teaminternen Formel-1-Titelkampf 2026 klare Grenzen gezogen: George Russell und Andrea Kimi Antonelli dürfen zwar frei gegeneinander fahren, doch im Zweifel werde das Team hart eingreifen, weil für Mercedes „das Team immer größer ist als die Fahrer“.

Die Warnung kommt in einer Phase, in der sich der WM-Kampf bei den Silberpfeilen zuspitzt. Russell gewann den Saisonauftakt in Australien, Antonelli antwortete mit Siegen in China und Japan. Damit hat der 19-Jährige das interne Duell gedreht und führt die Fahrerwertung nach drei Rennen mit neun Punkten Vorsprung vor Russell an.

Toto Wolff, Mercedes-Teamchef, sagte gegenüber Medien, darunter Crash.net, und in einer virtuellen Pressekonferenz am Montag, die Grundregel sei trotz der heiklen Konstellation unverändert. „Das Besondere an der Formel 1 ist, dass die beiden Teamkollegen zugleich die größten Konkurrenten sind“, sagte er. Mercedes habe in den vergangenen zehn Jahren viel darüber gelernt, wie solche Situationen zu handhaben seien. Das bedeute aber nicht, den Zweikampf zu unterbinden. „Am besten handhabt man es auch dadurch, dass man sie fahren lässt und anerkennt, dass sie gegeneinander antreten.“

Wolff machte zugleich deutlich, wo für Mercedes die rote Linie verläuft. „Es gibt gewisse Werte, für die wir als Team stehen“, sagte er. „Das Team ist immer größer als die Fahrer. Es ist Mercedes, eine der beeindruckendsten Marken der Welt, die beste Automarke der Welt.“ Diese Haltung begründete er nicht nur sportlich, sondern auch mit der Dimension des Unternehmens. Mercedes fahre für „150.000 Menschen, die für uns arbeiten“ und für „ein Unternehmen, das seit mehr als 120 Jahren existiert“.

Am deutlichsten wurde Wolff bei der Frage, was passiere, wenn einer der Fahrer den teaminternen Rahmen sprenge. „In dem Moment, in dem ein Fahrer das Gefühl hat, dass sich alles um ihn dreht, ist das keine Denkweise, die wir im Team jemals erlauben oder akzeptieren würden“, sagte er. „Ich würde lieber nur ein Auto fahren lassen, wenn das nicht klar wäre.“

Dass Wolff eine so scharfe Formulierung wählt, ist auch vor dem Hintergrund der eigenen Vergangenheit zu sehen. Mercedes hat den internen Titelkampf zwischen Lewis Hamilton und Nico Rosberg von 2014 bis 2016 erlebt, eine Rivalität, die mehrfach eskalierte. Wolff verwies darauf, dass das Team aus dieser Zeit gelernt habe, den Fahrern ihren Kampf zu lassen, ihn aber innerhalb engerer Leitplanken zu halten.

Für Russell und Antonelli heißt das vor dem weiteren Saisonverlauf: volle Freiheit auf der Strecke, solange der Kampf nicht gegen die Interessen von Mercedes läuft. Wolff rechnet allerdings nicht damit, dass es mit seinem aktuellen Duo so weit kommt. Beide seien seit langer Zeit Teil der Mercedes-Familie und trügen diese Haltung, diese Philosophie und das Erbe des Teams mit, während sich der frühe WM-Zweikampf immer stärker auf die beiden Silberpfeil-Fahrer zuspitzt.