Williams hat Victor Martins als Reservefahrer für den Grand Prix von Kanada bestätigt, weil Stamm-Ersatz Luke Browning an diesem Wochenende in der Super Formula in Suzuka im Einsatz ist.
Damit ist der Wechsel keine grundsätzliche Umbesetzung, sondern eine direkte Folge des Terminkonflikts mit der vierten Runde der japanischen Meisterschaft. Für Williams bedeutet das, dass Martins am Circuit Gilles Villeneuve in Montreal kurzfristig die Bereitschaftsrolle übernimmt, während Browning in Japan fährt.
Für den 24 Jahre alten Franzosen ist es dennoch ein wichtiger Schritt innerhalb des Teams. Martins arbeitet in dieser Saison als Test- und Entwicklungsfahrer für Williams und rückt nun erstmals seit seinem Formel-1-Einsatz im ersten freien Training beim Spanien-Grand-Prix 2025 wieder in eine trackside Rolle auf. Der Kanada-Einsatz beendet damit eine lange Phase, in der seine Arbeit vor allem im Hintergrund stattfand.
Ein Williams-Sprecher erklärte in der Mitteilung des Teams: „Victor kam Anfang 2025 als Mitglied der Atlassian Williams F1 Team Driver Academy zum Team, bevor er 2026 in die Rolle des Test- und Entwicklungsfahrers aufstieg.“ Damit ordnet Williams den Kanada-Einsatz auch als nächsten Schritt in Martins' Entwicklung innerhalb der eigenen Struktur ein.
Seine Aufgaben lagen bislang vor allem im Werk. Laut demselben Sprecher hat Martins eng mit den Stammpiloten Alex Albon und Carlos Sainz zusammengearbeitet und an der Fahrzeugentwicklung sowie an der Abstimmungsarbeit an Rennwochenenden mitgewirkt. „Er hat eng mit Alex Albon und Carlos Sainz vom Werk aus gearbeitet und während der Rennwochenenden zur Fahrzeugentwicklung und zur Verfeinerung des Set-ups beigetragen“, hieß es.
Genau das macht die kurzfristige Beförderung nach Montreal sportlich relevant. Der Reservefahrer ist nicht nur eine formale Absicherung für den Notfall, sondern muss die aktuellen Abläufe, das Auto und die Arbeitsweise des Teams sofort beherrschen. Martins kommt in diese Rolle mit aktuellem Einblick in die Entwicklungs- und Set-up-Arbeit, auch wenn seine Mitarbeit zuletzt überwiegend simulatorbasiert und von der Fabrik aus erfolgte.
Für Williams ist die Entscheidung deshalb vor allem eine interne Lösung mit möglichst wenig Reibungsverlust. Anstatt für das Kanada-Wochenende auf eine externe Notlösung zurückzugreifen, setzt das Team auf einen Fahrer, der die Strukturen bereits kennt, mit Albon und Sainz gearbeitet hat und schon einmal ein offizielles Formel-1-Training für Williams absolviert hat.
Für Martins ist der Einsatz in Montreal zugleich die sichtbarste Gelegenheit seit seinem FP1-Auftritt in Barcelona, sich wieder direkt an der Strecke in Position zu bringen. Auch wenn Browning nach seinem Japan-Einsatz die reguläre Reserve-Rolle wieder übernehmen dürfte, verschafft die Kanada-Aufgabe Martins an einem Grand-Prix-Wochenende erneut unmittelbare Präsenz im operativen Umfeld des Teams.
© Jonathan Borba