Sebastian Vettel hat offengelegt, dass der tödliche Unfall von Anthoine Hubert beim Belgien-Wochenende 2019 ihn ernsthaft daran zweifeln ließ, am nächsten Tag überhaupt zu fahren. In einem Beitrag für die New York Times schrieb der viermalige Formel-1-Weltmeister, er habe seiner Frau Hanna nach dem Crash gesagt, dass er „am nächsten Tag nicht fahren“ wolle, und damit auch seine weitere Karriere hinterfragt.
Vettel schrieb, es habe in „mehr als zwei Jahrzehnten im Rennsport“ nur einen einzigen Moment gegeben, in dem er ernsthaft infrage gestellt habe, wieder ins Auto zu steigen. Dieser Moment sei der Große Preis von Belgien im August 2019 gewesen, nachdem der 22-jährige Hubert bei einem Formel-2-Unfall in Spa-Francorchamps ums Leben gekommen war.
Hubert erlag den Verletzungen, die er sich im Formel-2-Hauptrennen kurz nach dem Formel-1-Qualifying zugezogen hatte. In den Mehrfachunfall war auch Juan Manuel Correa verwickelt, der Hubert traf, nachdem dieser nach einem Einschlag in die Streckenbegrenzung wieder auf die Fahrbahn geschleudert worden war.
Vettel schilderte, wie tief ihn der Unfall traf. „Ich habe selbst Unfälle gehabt, aber das waren zum Glück nur kleinere Vorfälle. Ich habe auch andere verunglücken sehen. Aber dieser junge Mann hatte sein ganzes Leben noch vor sich, und das kam einfach zum Stillstand, während wir alle zusahen“, schrieb er. Über den Abend vor dem Rennen sagte er, er habe Hanna angerufen und ihr gesagt, dass er am nächsten Tag nicht fahren wolle. „Ich schlief in dieser Nacht schlecht, entschied mich aber trotzdem zu fahren.“
Gerade deshalb ist seine Schilderung mehr als ein Rückblick auf ein dunkles Wochenende. Vettel machte deutlich, dass Huberts Tod seine Sicht auf den Sport dauerhaft verändert habe. „Nach diesem Wochenende fühlte ich mich in meinem Sport anders“, schrieb er. „Ich hatte nie Angst vor der Geschwindigkeit, aber ich konnte sie nun sehen und nicht nur fühlen.“
Daraus sei für ihn auch ein neues Verantwortungsgefühl entstanden. Vettel schrieb, er habe begonnen zu verstehen, dass „Geschwindigkeit, Fortschritt und Innovation nur dann von Bedeutung sind, wenn sie uns in die richtige Richtung führen“. Damit beschreibt er Spa 2019 als einen Wendepunkt, der seine Sicht auf Risiko, Tempo und die menschlichen Folgen des Motorsports grundlegend veränderte.
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