Max Verstappen steckt nach seinem Ausfall beim Grand Prix von Großbritannien in einer heiklen Lage: Der Weltmeister stellt nach zwei Defekten in schnellen Kurven die Zuverlässigkeit seines Red Bull offen infrage, während Mercedes und McLaren ihn als naheliegende Wechseloptionen öffentlich nicht mehr brauchen.
In Silverstone lag Verstappen auf Kurs zu Platz drei, ehe sein Rennen fünf Runden vor Schluss in Stowe endete. Nach eigener Darstellung legte sich der Heckflügel beim Einlenken nicht vollständig wieder an, der Abtrieb brach schlagartig weg und der Red Bull rutschte ins Kiesbett. Max Verstappen, Red-Bull-Fahrer, sprach danach von einem gefährlichen Muster: „An dem Punkt ist es super gefährlich, weil du dich wirklich verletzen kannst - und das jetzt schon zweimal. Ich hatte in Österreich Glück, ich hatte hier Glück, aber genau deshalb hat man es irgendwann einfach absolut satt.“
Damit bezog er sich ausdrücklich auch auf den sehr ähnlichen Vorfall im Qualifying in Spielberg. Der Frust in Silverstone hatte sich aber schon früher aufgebaut. Nach einem missratenen Qualifying, das er nur auf Rang sieben hinter Teamkollege Isack Hadjar beendete, wollte Verstappen nach den Berichten aus der Boxengasse starten, um Änderungen am Auto vorzunehmen. Red Bull lehnte das ab. Auf die Frage nach dem Grund sagte er nur: „Keine Ahnung.“ Dann fügte er an: „Sie waren vielleicht zuversichtlich, es reparieren zu können - ich war es nicht.“
Dass die gleichen Probleme im Rennen wieder auftauchten, überraschte ihn deshalb nicht. Schon nach dem Qualifying hatte er den Zustand des Autos ungewöhnlich scharf kommentiert. „Das ist peinlich, schlecht“, sagte er mit Blick auf das Paket, nicht auf seine eigene Leistung.
Laurent Mekies, Teamchef von Red Bull, stellte sich nach dem erneuten Vorfall hinter seinen Fahrer und übernahm die Verantwortung. Verstappen habe „völlig recht, unzufrieden zu sein“, sagte er. Mekies nannte es zugleich „extrem unangenehm“ für Fahrer, in zwei Rennen nacheinander in schnellen Kurven vom Auto im Stich gelassen zu werden, auch wenn die Ursachen unterschiedlich gewesen seien.
Gerade in diesem Moment werden Verstappens Möglichkeiten außerhalb von Red Bull enger. Toto Wolff, Mercedes-Teamchef, schloss vor dem Österreich-Grand-Prix einen Umbau seines Fahreraufgebots praktisch aus. „Wir wollen keine Veränderung. Ich bin zufrieden mit unseren beiden Fahrern. Diese Fahrerpaarung ist gut für uns“, sagte Wolff über George Russell und Kimi Antonelli.
Auch McLaren sendete kein offenes Signal. Zak Brown, McLaren-Boss, sagte über Lando Norris und Oscar Piastri: „Ich bin sehr zufrieden mit unserer Fahrerpaarung.“ Zwar räumte Brown ein, dass ein Name wie Verstappen extern für Aufsehen sorgen würde, doch die Gespräche hätten bislang zu nichts geführt.
Damit bleibt Verstappen sportlich in einem Dilemma. Sein Vertrauen in Red Bull ist nach zwei sicherheitsrelevanten Highspeed-Defekten erschüttert, doch ausgerechnet jetzt stärken die beiden offensichtlichsten Topadressen ihre eigenen Fahrer. Für einen Fahrer seines Kalibers ist das die eigentliche Zuspitzung dieser Wochen: Die Krise bei Red Bull wächst, während die einfachsten Auswege gerade verschwinden.
© Jonathan Borba