Max Verstappen hat die Überholmanöver in der Formel 1 des Jahres 2026 scharf kritisiert und gesagt, das System sei „völlig anders“ und „nicht so, wie es sein sollte“, weil Fahrer auf der Geraden „buchstäblich nichts“ tun müssten, um vorbeizukommen.
Der Red-Bull-Pilot beschrieb in Ungarn vor dem Hungaroring-Wochenende ein Muster, bei dem sich Fahrer vor ihm bekämpfen, dabei ihre Batterie aufbrauchen und ein nachfolgendes Auto sie auf der nächsten Geraden dann einfach überholt. Genau das störe ihn am stärksten am aktuellen Racing. Er würde lieber an ein Auto heranfahren und dann unter dem Bremsen ein Überholmanöver setzen, statt Manöver zu sehen, die bereits mitten auf der Geraden entschieden werden.
Verstappen machte dafür nicht nur das Energiemanagement verantwortlich. Er kritisierte auch, dass beim Hinterherfahren „überall diese Flügel offen“ seien und so der Luftwiderstand stark sinke. Für ihn führt die Kombination daraus zu mehr Überholvorgängen, aber nicht zu dem, was er als echtes Racing ansieht. „Echte Rennsportfans“ würden das verstehen, sagte er, während Nicht-Rennsportfans es cool fänden, weil sie einfach mehr Überholmanöver sähen. „Aber es ist nicht echt. Das ist nicht das, worum es im Rennsport geht.“
Seine Kritik geht weiter als nur das Überholen. Verstappen sagte, die 2026er Regeln verfälschten auch die reine Performance, weil Fahrer für Tempo in Kurven auf der folgenden Geraden bestraft würden. „Wenn man in der Kurve manchmal schneller ist, verliert man danach auf der Geraden mehr“, sagte er. In anderen Rennserien sei Zeitgewinn in der Kurve normalerweise einfach freie Rundenzeit. Unter den aktuellen Regeln müssten Fahrer dagegen über andere Gangwahl, Bremstechnik oder die Art nachdenken, wie sie wieder ans Gas gehen.
Nach seiner Einschätzung „neutralisiert“ das System viel Rundenzeit und nimmt den schnellsten Fahrern einen Teil ihrer Möglichkeit, den Unterschied zu machen. Verstappen sagte, er habe auf diese Effekte schon vor langer Zeit hingewiesen, sei damit anfangs aber nicht ernst genommen worden. „Es geht nicht darum, dass ich nicht mehr gewinne, sondern schlichtweg darum, dass mir das Gesamtprodukt am Herzen liegt“, sagte er. In den vergangenen Rennen würden nun mehr Leute erkennen, was er schon lange habe kommen sehen.
Der Hintergrund der Debatte in Budapest war auch die Kritik von Oscar Piastri, McLaren-Fahrer, an den „selbstlernenden“ Aspekten des 2026er-Energiemanagements. Piastri nannte es „beschissen“, dass vorausschauende Algorithmen Fahrer kalt erwischen könnten, und sagte, schon kleinste Unterschiede im Input des Fahrers könnten sich später in der Runde auf die Energienutzung auswirken. Dasselbe gelte für Einflüsse außerhalb der Kontrolle des Fahrers wie Windrichtungswechsel oder veränderte Gripverhältnisse.
Für Verstappen erklärt genau das auch, warum Teams und Teamkollegen 2026 so eng beieinanderliegen. „Manchmal schlicht keinen Unterschied machen kann“, sagte er. Und mehr noch: „Man darf gar keinen Unterschied machen, weil man dafür auf der nächsten Geraden direkt bestraft wird.“ Damit zielt seine Kritik nicht nur auf einzelne Überholmanöver, sondern auf eine Regelgeneration, die aus seiner Sicht Fahrerleistung verdeckt, statt sie sichtbar zu machen.
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