© Adriaan Greyling

Tombazis weist Mercedes-Motorvorwürfe zurück

FIA-Technikchef Nikolas Tombazis hat die Winterdebatte um das Verdichtungsverhältnis des Mercedes-Motors klar heruntergespielt, jede Betrugsabsicht zurückgewiesen und den ab 1. Juni geltenden neuen Heißtest als regulierende Klarstellung statt als nachträgliche Bestrafung eingeordnet.

Tombazis sagte im Rückblick auf die Diskussion, das Thema habe die FIA "ein bisschen überrascht", obwohl es in der Designphase bereits Gespräche mit Mercedes und auch mit den anderen Motorenherstellern gegeben habe. Aus seiner Sicht war die Aufregung massiv überzogen. Die Affäre habe "nicht einmal einen Cent der Artikel verdient, die darüber geschrieben wurden", sagte er, und sprach von "einer der klassischsten Hysterien", die sich deutlich stärker hätte eindämmen lassen.

In der Sache selbst verteidigte er sowohl die Messmethode der FIA als auch die Legalität der Mercedes-Lösung. Das Verdichtungsverhältnis werde "traditionell bei Umgebungstemperatur" gemessen, sagte Tombazis, "und so wird es in der Industrie im Allgemeinen gemacht". Deshalb glaube die FIA nicht, "dass etwas Falsches getan wurde oder dass versucht wurde zu betrügen".

Gleichzeitig machte er deutlich, warum der Verband trotzdem eingegriffen hat. Nach seinen Worten gab es Konstruktionsentscheidungen, die darauf abzielten, das Verdichtungsverhältnis über die Temperatur in günstigerer Weise zu beeinflussen. Die erste Reaktion kam bereits im Oktober, als die FIA im Reglement ausdrücklich festschrieb, dass die Messprozedur kalt erfolgt. Das sollte nach seinen Worten die normale Praxis klarstellen.

Ende Februar beziehungsweise Anfang März folgte dann die nächste Anpassung. Sie sollte verhindern, dass die Formel 1 aus Sicht der FIA in eine technische Richtung gedrängt wird, die Investitionen in exotische Materialien oder andere Lösungen erfordert, die gegen den Geist des Reglements gingen. Tombazis beschrieb das als den üblichen Ansatz der Behörde: eine Lösung nicht sofort verbieten, die Serie aber auch nicht dazu ermutigen, diesen Weg weiterzugehen.

Ab dem 1. Juni wird das Verdichtungsverhältnis deshalb sowohl kalt als auch heiß kontrolliert. Für 2027 ist laut Tombazis vorgesehen, nur noch unter Betriebsbedingungen bei 130 Grad zu messen. Er sagte, diese Maßnahmen seien ganz oder teilweise einstimmig angenommen worden.

Für Tombazis liegt genau darin der Kern des Falls. "Ich akzeptiere keine Kritik daran, dass jemand betrogen habe", sagte er. Zugleich könne man sagen, dass solche Ansätze "vielleicht außerhalb der Intentionen des Reglements" gelegen hätten. In solchen Fällen versuche die FIA, nichts sofort zu verbieten, es aber auch nicht über Jahre weiterlaufen zu lassen. Mit dem neuen Prüfverfahren ab Juni ist diese Linie nun in konkrete Kontrolle übersetzt worden.