© Adriaan Greyling

Südafrika droht F1-Rückkehr erst ab 2029

Nach dem bestätigten Fünfjahresvertrag für die Rückkehr der Türkei ab 2027 sind Südafrikas Hoffnungen auf ein Formel-1-Rennen vor 2029 deutlich kleiner geworden, auch wenn die Regierung ihren Vorstoß weiter vorantreibt.

Der neue Istanbul-Deal verschärft den Kalenderdruck spürbar. Laut den vorliegenden Berichten sind damit für 2027 bereits 24 Strecken gebunden, also genau so viele Rennen, wie die Formel 1 zuletzt im Kalender hatte. Für Südafrika bedeutet das, dass ein neuer Platz frühestens 2028 frei werden könnte, während zugleich nur drei Länder am Ende von 2028 aus dem Vertrag laufen: Singapur, Portugal und Mexiko. Singapur gilt dabei als wahrscheinlicher Kandidat für eine Verlängerung, während Thailand ebenfalls stark auf einen Slot drängt.

Damit wird Afrikas Rückkehr in die Formel 1 erneut nach hinten geschoben. Die Königsklasse fuhr zuletzt 1993 auf dem Kontinent, damals gewann Alain Prost in Kyalami. Aus südafrikanischer Sicht ist das Thema politisch trotzdem nicht vom Tisch. Sport-, Kunst- und Kulturminister Gayton McKenzie hatte schon zu Jahresbeginn bei ENCA eingeräumt, dass ein kurzfristiges Comeback nicht realistisch ist. „Nächstes Jahr definitiv nicht. Wir haben unterschätzt, was erforderlich ist, um ein F1-Event auszurichten“, sagte er damals. Zugleich betonte er, dass man inzwischen mit Experten an einer überarbeiteten Bewerbung arbeite, die schwer abzulehnen sein soll.

Obwohl Südafrika bislang weder als bevorzugter Bewerber ausgewählt wurde noch eine offizielle Freigabe erhalten hat, treibt Kyalami die technischen Voraussetzungen weiter voran. Die Strecke hat den Prozess zur FIA-Grade-1-Homologation angestoßen und mit einer kostspieligen Modernisierung begonnen. Die veranschlagten Kosten liegen laut den Berichten zwischen 5 und 10 Millionen US-Dollar, umgerechnet etwa zwischen 83 und 167 Millionen Rand.

McKenzie versucht nun auch, die politische Rückendeckung sichtbarer zu machen. Bei einer Medienunterrichtung in Pretoria in dieser Woche sagte der Minister, Präsident Cyril Ramaphosa habe zugestimmt, ihn später in diesem Jahr zu einem Grand Prix zu begleiten. „Dies ist ein Arbeitsbesuch, kein gesellschaftlicher Termin“, sagte McKenzie. Er erklärte weiter, dass jedes Land „kommerzielle, logistische, infrastrukturelle und sicherheitsrelevante Anforderungen“ erfüllen müsse und Südafrika daran arbeite, diese Punkte systematisch abzudecken. Der Besuch des Präsidenten solle helfen, Abläufe vor Ort zu beobachten, Gespräche zu führen und den eigenen Fall zu stärken.

McKenzie macht aus der politischen Bedeutung des Projekts keinen Hehl. Er sagte auch, es sei „nicht akzeptabel“, dass junge Motorsportfans in Afrika noch nie ein Rennen auf heimischem Boden gesehen hätten. „Wir wollen das ändern.“ Gleichzeitig zeigt die Lage, wie schwierig dieses Ziel geworden ist. Mit wachsender Popularität der Formel 1 dürften die Ausrichterkosten in einem Bieterwettbewerb weiter steigen, und Südafrika setzt laut Bericht bereits darauf, dass vor allem Sponsoren und nicht der Staat die Veranstaltung finanzieren.

Genau dort liegt nun der Kern des Problems für die südafrikanische Bewerbung: Der politische Wille ist sichtbar, Kyalami investiert, und die Regierung baut ihre Offerte neu auf. Doch weil freie Kalenderplätze knapp sind und die Konkurrenz zunimmt, ist ein Afrika-Comeback vor 2029 nach dem Türkei-Deal kaum noch realistisch.