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Sainz fordert neue Quali-Strafe nach Russell-Pole

Carlos Sainz will nach der umstrittenen Pole-Runde von George Russell in Österreich eine Regeländerung für das Qualifying anstoßen: Jeder Fahrer, der eine gelbe oder rote Flagge verursacht, soll nach seiner Vorstellung mit drei Startplätzen Rückversetzung bestraft werden.

Der Williams-Pilot sagte in Silverstone, er wolle die Idee möglicherweise in die GPDA einbringen. Auslöser ist die Schlussphase von Q3 in Spielberg, als Max Verstappen im letzten Versuch verunglückte und die Rennleitung zunächst nur eine einfache gelbe Flagge zeigte. Die doppelten Gelben folgten erst 22 Sekunden später. In diesem Fenster konnte Russell gerade genug lupfen, um regelkonform zu bleiben, und die Runde beenden, die ihm die Pole sicherte, während andere Fahrer, darunter Kimi Antonelli, ihre Versuche abbrachen.

Sainz verteidigte Russell dabei ausdrücklich. Der Brite habe "die Regeln perfekt genutzt" und sich die Pole deshalb "voll verdient". Das Problem liege für ihn nicht bei Russell, sondern beim Verfahren. Nach Sainz' Ansicht hätte die Situation "eine doppelte gelbe Flagge oder eine rote Flagge" sein müssen, und Russell hätte "diese Runde in einer derart gefährlichen Situation nie beenden dürfen".

Genau dort setzt sein Vorschlag an. "Ich denke, dass jeder, der im Qualifying eine gelbe oder rote Flagge verursacht, drei Plätze in der Startaufstellung zurückversetzt werden sollte", sagte Sainz. Sein Argument: Wenn ein Fahrer zu weit über das Limit gehe und dadurch andere an einer Verbesserung hindere, "gewinnst du eine Position, weil du andere nicht verbessern lässt, auch wenn es nicht absichtlich war".

Sainz machte auch klar, dass er nicht nur den Fall Verstappen in Österreich meint. Für ihn liegt das grundsätzliche Problem darin, dass eine Unterbrechung sportlich nützen kann. Wäre ein Fahrer schon nach dem ersten Run auf provisorischer Pole und würde dann einen Unfall bauen, könne er damit verhindern, dass der Rest noch einmal nachlegt. "Der Fahrer auf Pole lässt uns die Rundenzeit nicht verbessern", sagte Sainz. Er verwies in diesem Zusammenhang auf Strecken wie Monaco und Baku, wo jeder wisse, welchen Einfluss Gelb- und Rotphasen im Qualifying haben können. In Baku habe er selbst im Vorjahr gedacht: "Wenn ich jetzt crashe, bin ich auf Pole." Solche Gedanken habe jeder im Feld, weil jeder wisse, wie das Reglement funktioniere.

Gleichzeitig betonte Sainz, dass Verstappens Unfall aus seiner Sicht kein solcher Fall war. Der Niederländer sei damals, so Sainz, etwa auf Rang drei gewesen und habe "null Anreiz" gehabt. Sainz führte den Crash auf einen Defekt am Heckflügel oder etwas Ähnliches zurück. Gerade weil die Absicht für die Kommissare kaum sauber zu beurteilen sei, will er eine pauschale Lösung statt einer Einzelfallprüfung.

Ob daraus tatsächlich ein GPDA-Vorstoß wird, ist offen. Sainz sagte, es handle sich bislang um eine "sehr persönliche" Idee, die innerhalb der Fahrervereinigung noch nicht besprochen worden sei. Charles Leclerc zeigte Verständnis für die Logik auf speziellen Stadtkursen wie Monaco, hielt aber nichts von einer pauschalen Saisonregel. Verstappen ging beim Strafmaß sogar weiter: Wenn jemand absichtlich eine Gelb- oder Rotphase verursache, müsse die Sanktion "noch größer" sein. Im Kern stimmte er Sainz aber zu, dass Russells Pole-Runde unter einer einfachen gelben Flagge so gar nicht hätte möglich sein dürfen.