George Russell hat die scharfe Kritik von Max Verstappen am neuen Formel-1-Reglement klar zurückgewiesen und die 2026er Autos stattdessen als Chance für engere und spektakulärere Rennen beschrieben.
Der Mercedes-Fahrer sagte im BBC-Interview, er teile Verstappens Sicht „überhaupt nicht“. Während Verstappen die neuen Regeln mit Formel E und „Mario Kart“ verglichen und sogar Zweifel an seiner Zukunft angedeutet hatte, stellte Russell die andere Seite heraus. Er genieße das neue Auto „enorm“, sagte er, auch wenn sich Power Unit und Motor „definitiv anders“ anfühlten und noch „etwas Feintuning“ bräuchten. Gerade das habe aber „mehr Chancen, wirklich zu kämpfen und spektakuläre Rennen zu haben“ geschaffen.
Besonders deutlich widersprach Russell beim Vorwurf, das Racing wirke künstlich. Den „Mario Kart“-Vergleich konterte er mit einem Verweis auf Lewis Hamilton. Auf einer Kartbahn sei es völlig normal, dass ein Fahrer in einer Kurve überholt werde, in der nächsten zurückschlage und das Duell weitergehe. Niemand nenne das „Mario Kart“ oder Jojo-Rennen, sagte Russell. „Wir nennen das einfach pures Racing, gutes Racing.“
Auch die Kritik, die Fahrer würden unter dem neuen Reglement absichtlich langsamer durch Kurven fahren, um auf den Geraden schneller zu sein, wies er zurück. „Jeder, der denkt, dass Fahrer langsamer durch die Kurven fahren, um auf den Geraden schneller zu sein, liegt falsch“, sagte Russell. Es gebe zwar „ein paar kleine Eigenheiten“, an denen die FIA intensiv gearbeitet habe, doch aus seiner Sicht gehe es um Details in einem komplexen technischen Paket, nicht um ein grundsätzlich verfehltes Konzept.
Diese Details sollen schon ab dem kommenden Rennen weiter entschärft werden. Russell sagte, die „kleinen Anpassungen“, die der Sport einführe, würden „unser Leben leichter machen“. Konkret verwies er darauf, dass die Fahrer in einer Qualifyingrunde auf den Geraden wieder voll durchbeschleunigen könnten, ohne für das Energiemanagement vom Gas gehen zu müssen.
Russell ordnete seine Verteidigung des Reglements auch historisch ein. Er erinnerte daran, dass die Formel 1 vor rund 20 Jahren zwar vom Klang der Motoren lebte, auf der Strecke aber oft kaum Überholmanöver bot. Das sei vielleicht die „reinste“ Formel 1 gewesen, sagte er, „aber die Rennen waren langweilig“. Aus seiner Sicht werde in der Rückschau oft das Gute überhöht, während bei neuen Regeln zuerst die Schwächen betont würden, obwohl auch in den neuen Autos „viele positive Punkte“ steckten.
Als weiteres Beispiel nannte Russell ein Gespräch mit einem mehrfachen Rennsieger aus den 1980er- und 1990er-Jahren. Der habe ihm erzählt, dass es damals einen „Boost-Knopf“ mit „300 PS extra“ gegeben habe, man am Ende der Geraden beim Lupfen aber plötzlich ohne Kraftstoff dagestanden habe. Für Russell ist das der Beleg, dass die Formel 1 immer schon technische Kompromisse und spezielle Management-Themen kannte. Der Unterschied sei heute nur, wie darüber gesprochen werde, während die Richtung für ihn klar ist: Die neuen Regeln können das Racing eher verbessern als beschädigen.
© Jonathan Borba