Red Bull hat Oscar Piastri laut Berichten von Motorsport und Autosport als bevorzugten Ersatz für Max Verstappen identifiziert, falls der vierfache Weltmeister das Team überraschend verlässt, ein Sabbatical einlegt oder die Formel 1 ganz aufgibt.
Mehrere Quellen bestätigten demnach im Miami-Paddock, dass Teamchef Laurent Mekies und Oliver Mintzlaff bereit sind, die Piastri-Option in einem „unlikely yet plausible“ Szenario voranzutreiben. Das ist bemerkenswert, weil Verstappen auch für das kommende Jahr unter Vertrag steht und Red Bull öffentlich an seiner bisherigen Linie festhält.
Der Hintergrund ist die besondere Bedeutung Verstappens für den Rennstall aus Milton Keynes. In den Berichten wird er für das Team mit mehr als 2.000 Mitarbeitern nicht nur als Fahrer beschrieben, sondern als zentrale Figur für technische Entwicklung, interne Stabilität und kommerzielle Interessen. Gerade deshalb will Red Bull trotz seiner Investitionen in Isack Hadjar offenbar nicht ausschließlich auf die eigene Junioren-Akademie setzen. Hadjar könne diese Rolle „noch nicht“ als Rückgrat des Teams tragen.
Piastri passt aus Sicht von Red Bull in eine veränderte Personalstrategie. Nach dem Abgang von Helmut Marko, dessen Modell lange auf einen klaren Leitfahrer plus Nachwuchstalent ausgelegt gewesen sein soll, wird unter Mekies laut den Berichten ein flexiblerer Ansatz verfolgt. Der externe Fahrermarkt soll dabei nicht nur Ergänzung, sondern ein strukturelles Instrument sein. Piastri gilt in diesem Zusammenhang als besonders attraktiv, weil er jung, aber bereits „remarkably solid“, hochkompetitiv und weiter entwicklungsfähig sei.
Ein möglicher Wechsel wäre allerdings schwer umzusetzen. Piastri steht bei McLaren mindestens bis Ende 2027 unter Vertrag, was dem Team zunächst eine starke Position verschafft. Die Berichte verweisen aber auch darauf, dass Formel-1-Verträge in der Vergangenheit überwindbar waren, sobald ein Fahrer seinen Wechselwunsch klar gemacht hatte. In einem solchen Fall wäre McLaren-Racing-CEO Zak Brown die Schlüsselfigur, um aus der Lage eine „major financial opportunity“ zu machen.
Dass Red Bull diesen Plan überhaupt vorbereitet, hängt auch mit Verstappens offener Zukunft zusammen. Er soll die aktuellen beziehungsweise neuen Regeln „totaal niet“ mögen, ein frühes Karriereende bleibt laut den Berichten möglich. Zwar wurde der Miami Grand Prix nach neuen Updates als „a step in the right direction“ für Red Bull eingeordnet. Konkrete Signale für einen Abschied oder Rückzug Verstappens gibt es bislang aber nicht. Genau deshalb ist Piastri im Moment noch kein akuter Transferfall, sondern ein vorbereiteter Plan B für den Fall, dass sich die Lage bei Red Bull später im Jahr grundlegend verändert.
© Jonathan Borba