Nach zwei nahezu identischen Unfällen von Max Verstappen untersucht die FIA Red Bulls rotierenden „Macarena“-Heckflügel unter Sicherheitsaspekten, während das Team vor Spa-Francorchamps sogar einen Verzicht auf diese Spezifikation erwägt.
Auslöser sind zwei Defekte in kurzer Folge. Verstappen verunglückte zunächst im Q3 des Großen Preises von Österreich, dann wenige Runden vor Schluss in Silverstone. Red Bull bestätigte laut den vorliegenden Berichten, dass in beiden Fällen unterschiedliche Fehler am Heckflügel vorlagen, das System aber jeweils zumindest teilweise offen blieb. Die Folge war in beiden Situationen derselbe Effekt: plötzlicher Abtriebsverlust bei hohem Tempo.
Nach dem Rennen in Silverstone machte Verstappen klar, wie ernst er die Lage einschätzt. „Es kann wirklich gefährlich sein, denn ich hätte mich schlimm verletzen können - sogar zweimal. Ich hatte Glück in Österreich und ich hatte hier Glück. Und deshalb hat man irgendwann richtig die Nase voll“, sagte Max Verstappen nach dem Grand Prix von Großbritannien in Silverstone.
Damit ist aus einer Entwicklung, die Red Bull zunächst einen klaren Vorteil auf den Geraden brachte, ein akutes Problem geworden. Ferrari hatte das Konzept nach intensiven Tests in Bahrain ab dem Grand Prix von Miami regulär eingesetzt. Red Bull brachte am selben Wochenende seine eigene Version. Laurent Mekies erklärte dazu als Red-Bull-Teamchef laut den Berichten, dass das Team bereits seit Ende 2025 daran gearbeitet habe. Der entscheidende Unterschied: Während Ferraris Flap nach vorn rotiert, bewegt sich Red Bulls Lösung nach hinten und öffnet auf den Geraden einen besonders großen Spalt. Das half bei der Höchstgeschwindigkeit sichtbar, Verstappen und Isack Hadjar gehörten damit regelmäßig zu den Schnellsten im Feld.
Probleme traten bei Red Bull zunächst nicht auf, bis der Defekt in Österreich die Lage veränderte. Dort arbeitete der Aktuator nicht korrekt, sodass sich der Flügel in der Kurve nicht wie vorgesehen schloss. Der Abtriebsverlust machte den Abflug unvermeidlich. In Silverstone folgte dann ein sehr ähnliches Szenario, obwohl Verstappen trotz Motor- und Balanceproblemen auf Kurs zu einem soliden Podium gelegen hatte, bevor er in Stowe erneut bei hohem Tempo von der Strecke ging.
Die FIA hat daraufhin beide Konzepte mit rotierendem Heckflügel unter Beobachtung gestellt und Treffen mit den Technischen Direktoren von Red Bull und Ferrari angesetzt. Im Zentrum steht die Frage, ob hier ein grundsätzliches Sicherheitsproblem des Systems vorliegt oder ein Konstruktions- oder Ausführungsfehler, der nur Red Bull betrifft. Dabei wird auch die vorgeschriebene Schließzeit von mindestens 400 Millisekunden überprüft.
Für Red Bull ist das nicht nur ein Technikthema, sondern eine unmittelbare Abwägung zwischen Performance und Risiko. In den Berichten heißt es, Mekies habe nicht ausgeschlossen, diese Flügelversion ganz vom Auto zu nehmen. Ferrari will sein eigenes System dagegen weiter ohne Einschränkungen einsetzen, weil dort bislang keine entsprechenden Ausfälle aufgetreten sind.
Vor Spa steigt der Druck noch einmal. Die Strecke gehört zu den schnellsten im Kalender, und ein plötzlicher Verlust von Abtrieb hätte dort besonders gravierende Folgen. Genau deshalb kann sich Red Bull einen dritten Vorfall mit diesem Flügel praktisch nicht leisten.
© Morio